Die zivilrechtliche Stellvertretung

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Widerruf einer Vollmacht

Ist es einmal zu einer Bevollmächtigung gekommen, so stellt sich mitunter die Frage, wie diese wieder zurückgenommen werden kann. Hierbei ist zu beachten, dass nur eine Vollmacht, also eine erteilte Bevollmächtigung, von den Parteien zurückgenommen werden kann, nicht hingegen eine gesetzliche Stellvertretung. Für das Erlöschen einer gesetzlichen Stellvertretung sind meist noch mehrere Sachen zu beachten. So kann ein Betreuer, der eine gesetzliche Vertretungsmacht hat, nicht mit dem Betreuten vereinbaren, dass diese erlösche.Jedoch zurück zum Widerruf einer Vollmacht.
Grundsätzlich kann eine Vollmacht jederzeit frei widerrufen werden, allerdings sind hier einige Sachen anzumerken.

  • Es gibt Vollmachten, die nicht widerrufen werden müssen, weil sie ohnehin schon von alleine erloschen sind. Hierzu gehören z.B. Bevollmächtigungen, die einem einmaligen Zweck dienen. Dies wäre z.B. der Fall, wenn jemand ein einziges mal für einen anderen eine Zeitung kaufen soll.

  • Dauern Vollmachten über einen längeren Zeitraum an, so sind diese frei widerruflich. Sie müssen lediglich so widerrufen werden, wie sie erteilt worden sind. Wurde die Vollmacht nur gegenüber dem Vertreter erklärt, so reicht der Widerruf gegenüber diesem. Wurde die Vollmacht nach außen bekannt gemacht, z.B. durch ein Schreiben an einen Geschäftspartner, so muss das Erlöschen gegenüber diesem auch bekannt gemacht werden. Diesem Erfordernis liegt zugrunde, dass der Geschäftspartner so lange auf das Bestehen der Vollmacht vertrauen darf, bis es ihm möglich war, von einem erfolgten Widerruf Kenntnis zu nehmen. Der Geschäftspartner soll geschützt werden.
    Als Merksatz gilt: der Widerruf einer Bevollmächtigung muss im "Rückwärtsgang" erfolgen. Also so, wie eine Vollmacht erteilt wurde, so muss sie auch zurückgenommen werden.

  • Vollmachten enden auch dadurch, dass das zugrundeliegende Arbeitsverhältnis endet. Wird z.B. der Einkäufer eines Konzerns entlassen, so erlöschen auch seine Vollmachten, die er in dem Betrieb hatte. Hierbei ist jedoch auch wieder zu beachten, dass der Widerruf im Rückwärtsgang erfolgen muss. Sollte der Einkäufer gegenüber einem Geschäftspartner besonders legitimiert sein, so muss die Vollmacht gegenüber diesem gesondert widerrufen werden. Dies würde aber auch mit einer öffentlichen Bekanntmachung gehen.

  • Ein wichtiger Punkt ist, dass Vollmachten nicht automatisch mit dem Tod des Vollmachtgebers enden. Hier ist es jedoch so, dass das Widerrufsrecht auf die Erben übergeht.

  • Es kann jedoch auch den Fall geben, indem eine Vollmacht für einen gewissen Zeitraum ausgestellt wurde, z.B. eine Vollmacht für eine Dauer von zehn Jahren, oder es handelt sich sogar um eine "unwiderrufliche Vollmacht". Zwar können solche Vollmachten auch zurückgenommen werden, aber nur und auch nur dann, wenn ein wichtiger Grund für einen Widerruf vorliegt. Da dies u.U. nicht darzulegen ist, sollte man sich vor solchen Vollmachten hüten.


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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Wozu eigentlich eine Stellvertretung
Seite  2:  Stellvertreter, Bote und andere Helfer
Seite  3:  Voraussetzungen der Stellvertretung
Seite  4:  Widerruf einer Vollmacht
Seite  5:  Problemfall: Fehlen der Offenkundigkeit
Seite  6:  Problemfall: Fehlen der Vertretungsmacht
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