Die zivilrechtliche Stellvertretung

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Stellvertreter, Bote und andere Helfer

Es muss nicht jeder, der für einen anderen eine Aufgabe wahrnimmt, dessen Stellvertreter sein. Denn wie so oft gibt es kleine aber feine Unterschiede, die die Einordnung in die eine oder andere Kategorie ausmachen.

  • Stellvertreter: Ein Stellvertreter ist grundsätzlich derjenige, der für einen anderen eine eigene Willenserklärung abgibt. Für eine eigene Willenserklärung muss man im Sinne des BGB zumindest beschränkt geschäftsfähig, also mindestens sieben Jahre sein. Ein Kind, das unter sieben Jahren alt ist, kann nämlich überhaupt keine rechtlich relevanten Erklärungen machen, geschweige denn Verträge abschließen.

    Die eigene Erklärung des Stellvertreters bedeutet, dass der Stellvertreter eigenständig entscheidet: Der Vertreter muss also noch einen kleinen Handlungsspielraum besitzen.

    Beispiel: Stellen sie sich vor, sie schicken ihren 18 Jahre alten Sohn los, damit er Ihnen eine Zeitschrift besorgt. Daraufhin beschließt Ihr Sohn, dass Ihnen ein Playboy sicherlich recht sei. Hier konnte Ihr Sohn die Zeitung selbst bestimmen, da Sie ihm keine konkrete Zeitschrift gesagt haben. Dies ist ein Hinweis auf die Eigenschaft als Stellvertreter.

  • Bote: Ein Bote überbringt eine fremde Erklärung. Hierbei ist gemeint, dass der Bote derart an seinen Auftrag gebunden ist, dass ihm keinerlei Abweichung hiervon zusteht. Da ein Bote lediglich eine fremde Erklärung abgibt, kann er auch geschäftsunfähig sein, also unter sieben Jahren. Die Abgrenzung zwischen Stellvertreter und Bote wird meist nur dann relevant, wenn das Gesetz einmal eine Stellvertretung nicht zulassen sollte.

    Beispiel: Sie beschließen, Ihren erst sechs Jahre alten Sohn, mit dem Auftrag zum Kiosk zu schicken, Ihnen eine Bildzeitung zu besorgen. Hierbei wird dem Sohn der Auftrag so konkret erteilt, dass er nur Ihre Erklärung gegenüber dem Zeitungsverkäufer wiederholt. Die Tatsache, dass Ihr Sohn erst sechs Jahre alt ist, ist ebenfalls unbeachtlich, da er ja lediglich Ihre Willenserklärung übermittelt.

  • Mittelbarer Vertreter: Es gibt noch eine weitere Form der Stellvertretung, die jedem bekannt sein dürfte, bei der allerdings eine Vertretereigenschaft nicht richtig vorhanden ist. Dies ist der sogenannte "Strohmann" oder nur mittelbare Vertreter. Dieser schließt das Geschäft im eigenen Namen ab, aber handelt für einen anderen, der nicht erkannt werden will.

    Beispiel: Sie sind der bekannte Unternehmer Bill G. und beschließen, einen Konzern aufzukaufen. Aufgrund Ihrer guten Marktstellung befürchten Sie aber, dass Ihr Auftreten den Preis in die Höhe treiben würde oder es Auswirkungen auf dem Aktienmarkt geben könnte. Daraufhin beauftragen Sie einen guten Bekannten, den Konzern unter Verschweigung Ihres Namens zu kaufen. Hierbei wird der Vertrag mit dem Bekannten geschlossen und Sie bleiben bei den Verhandlungen außen vor.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Wozu eigentlich eine Stellvertretung
Seite  2:  Stellvertreter, Bote und andere Helfer
Seite  3:  Voraussetzungen der Stellvertretung
Seite  4:  Widerruf einer Vollmacht
Seite  5:  Problemfall: Fehlen der Offenkundigkeit
Seite  6:  Problemfall: Fehlen der Vertretungsmacht
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