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Die Verbraucher tragen Schuld?
Seite 1 - way vom 15.02.2001

Die Verbraucher tragen Schuld ?

- Ein Dankeschön an Herrn Sonnleitner

Wer dieser Tage die Presse zum Thema BSE durchforstet, begegnet immer wieder einem Herrn Gerd Sonnleitner, seines Zeichens Präsident des Bauernverbandes. In einem Interview mit der Passauer Neue Presse präsentierte dieser jüngst einen budgetschonenden Vorschlag zur Finanzierung der BSE Folgekosten.

Die Argumentation des Präsidenten könnte stichhaltiger nicht sein: Der deutsche Verbraucher sei in den vergangenen Jahren in den Genuss niedriger Nahrungsmittelpreise gekommen, folgerichtig wäre es zumutbar, jetzt die Kosten des Rinderwahns durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel zu kompensieren.

Das ist geschickt eingefädelt. Wohlwollen seitens der staatlichen Finanziers ist durchaus beabsichtigt. So hat der Staat einen Ausgleich für den Mehraufwand, und die Bauern kriegen ihre Entschädigung. Die Milchmädchenrechnung hat nur einen Haken:
Wir Verbraucher wollen das nicht zahlen.
Wir wollen nur leckeres, gesundes Rindfleisch, und das wurde uns immer versprochen, auch von Ihnen, lieber Herr Sonnleitner. Es waren nicht die Verbraucher, die verseuchtes Tiermehl an Widerkäuer verfüttert, systematisch Kontrollen verhindert, versäumt oder boykottiert haben.

Schuldzuweisungen sind eigentlich ein unfeiner Zug. An dieser Stelle jedoch muss sich das von Affären geplagte Volk mal zu Wort melden. Jetzt sollen wir für Ihre Sünden büßen? Seit wann zahlt das Opfer dem Täter die Entschädigung?

Im Gegensatz zu Ihnen haben Frau Künast und Kollegen die Logik verstanden. Auch sie lehnen Ihre Forderung daher ab. Es wird Zeit, dass Sie mal anfangen, die Mitverantwortung der Landwirtschaft zu akzeptieren und Ihren eigenen Stinkestall auszumisten.

Leider haben wir wenig Grund zur Hoffnung. Das bayrische Landwirtschaftsministerium hat Ihnen nicht gesagt, was Ihre Bauern da verfüttern? Schon ganz schön gemein von denen. Gerne würden wir lachen, wenn uns nicht das marode Fleisch im Hals stecken geblieben wäre. Das ist klassisch einfältiger Betonkopf Lobbyismus. Wir merken das, so vielen von uns haben Sie nämlich das Hirn noch nicht kaputt gemacht.



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Partner
Sylvia Vetter, München
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Miet und Pachtrecht, Verwaltungsrecht, Zivilrecht und hat Interessensschwerpunkte: Erbrecht, Arbeitsrecht.
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