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Die Rote Armee Fraktion ist Geschichte - ihre Morde nicht

AFP VOM 18.4.2008 | Nachrichten - Nachrichten | 2659 Aufrufe
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RAF, Rote, Armee, Fraktion, Schleyer

RAF löste sich vor zehn Jahren auf - Viele Taten ungeklärt

Die Erklärung umfasst acht Seiten - auf der letzten prangt der berüchtigte fünfzackige Stern mit Maschinengewehr. "Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF", lautet der erste Satz des Schriftstückes, das mit Poststempel 20. April 1998 mehreren Medien zugestellt wurde. "Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte." In der Tat endete mit der Auflösung der Rote Armee Fraktion vor zehn Jahren ein blutiges Kapitel Zeitgeschichte. Für die Justiz indes ist die "Akte RAF" noch lange nicht geschlossen: Morde des RAF beschäftigten die Fahnder noch heute, vor allem die der letzten RAF-Generation.

Bei der "Befreiungsaktion", die in der letzten RAF-Erklärung erwähnt wird, handelte es sich um die Flucht des inhaftierten Rädelsführers Andreas Baader aus dem Berliner Institut für Soziale Fragen. Gesinnungsgenossen befreiten Baader an jenem Mai-Tag 1970 mit Gewalt und schossen dabei einen Mann nieder. Zwar wurden Baader und weitere Mitglieder der ersten RAF-Generation schon 1972 gefasst. Doch die zweite Generation der Terrorgruppe führte den Krieg gegen den Staat weiter - er fand seinen Höhepunkt im Deutschen Herbst 1977 mit dem Mord an Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer und der Entführung des Urlauberjets "Landshut" durch Palästinenser.

Aus dem Terrorjahr 1977 datiert auch der Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der heute erneut die Justiz beschäftigt. 31 Jahre später wollen die Ermittler klären, ob der damalige Terrorist Stefan Wisnieswki der Todesschütze beim Buback-Attentat war. Zur zweiten RAF-Generation führt auch eine weitere offene Ermittlungsakte zurück: Noch heute wird Friederike Krabbe wegen Beteiligung an der Schleyer-Entführung gesucht. Zeugen zufolge hielt sie sich bis kurz vor dem Einmarsch der US-Truppen 2003 in Iraks Hauptstadt Bagdad auf.

Während bis auf Christian Klar alle verurteilten RAF-Mitglieder der zweiten Generation wieder frei sind, wurde bislang nur zwei Mitgliedern der dritten Generation überhaupt der Prozess gemacht: Birgit Hogefeld, die weiter im Gefängnis sitzt, und der vergangenen Sommer freigelassenen Eva Haule. Bis heute gibt die letzte Generation der Linksterroristen Rätsel auf. Seit den 1980er Jahren verübte diese Gruppe Anschläge vor allem auf Repräsentanten der Wirtschaft - Attentate, bei denen die Fahnder kaum Ermittlungsansätze fanden.

Die Liste der ungeklärten Morde ist lang: Zu den Opfern zählen der Chef der Motoren- und Turbinen-Union (MTU), Ernst Zimmermann (1985), Siemens-Vorstand Heinz Beckurts (1986), Gerold von Braunmühl als hoher Beamter des Auswärtigen Amtes (1986), Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen (1989) und zuletzt 1991 Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder. Die "Handschrift" der dritten RAF-Generation war stets dieselbe: Sie hinterließ keine Spuren - jedenfalls keine, die mit den damaligen kriminaltechnischen Mitteln verwertbar waren.

Heute allerdings steht den Ermittlern die DNA-Analyse zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe stießen sie 2001 beim Rohwedder-Mord auf eine Spur: Eine Haaranalyse ergab, dass der RAF-Terrorist Wolfgang Grams am Tatort in Düsseldorf war. Aufgeklärt ist der Mord damit aber keineswegs - wie auch die anderen Anschläge, wegen denen weiter ermittelt wird. Zu Details schweigt die Bundesanwaltschaft. Grams kam 1993 bei einer Schießerei mit Polizisten auf dem Bahnhof von Bad Kleinen ums Leben.

Nach drei RAF-Verdächtigen der letzten Generation wird seit Jahren gefahndet: Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg werden unter anderem mit dem letzten RAF-Anschlag 1993 auf das Gefängnis Weiterstadt in Verbindung gebracht. Die Gesuchten waren womöglich an einem weiteren Verbrechen beteiligt - nach Auflösung der RAF: Im Juli 1999 überfielen Unbekannte in Duisburg mit einer Panzerfaust einen Geldtransport und erbeuteten 500.000 Euro. Den Spuren zufolge könnte der Coup auf das Konto der drei RAF-Verdächtigen gehen.

18. April 2008 - 06.16 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008


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