Die staatlichen Rechtsgrundlagen

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Grundrechtliche Verankerung

Im deutschen Grundgesetz wird der Sport nicht ausdrücklich mit Rechten versehen. Regelungen sind aus den gesamten Grundrechten abzuleiten.

Die Ausübung von Sport wird durch das Grundrecht der Allgemeinen Handlungsfreiheit (Art. 2 Abs.1 GG) für jedermann geschützt. Eingeschlossen ist dabei auch die Ausführung von Sportarten mit einem hohen Risiko.
Für den in Vereinen- und Verbänden organisierten Sport ist die Vereinigungsfreiheit des Art. 9 GG entscheidend. Schliesslich kommt dem Grundrecht auf Berufsfreiheit (Art. 12 GG) im Profi-Sport große Bedeutung zu.

Autonomie

Eine gewisse Unabhängigkeit (sog."Autonomie des Sports") vom staatlichen Recht wird dem Sport durch die Vereinigungsfreiheit gem. Art. 9 GG eingeräumt. Demnach haben alle Deutschen das Recht, Vereine zu gründen und damit einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Ausübung von Sport. Innerhalb des Vereines können für die Mitglieder Regelungen getroffen werden, um somit eine eigene Werteordnung für das Vereinsleben zu schaffen.
Von staatlicher Seite wird anerkannt, dass sport-typische Grundsätze bei diesen Regelungen zu Ausnahmen von allgemeinem Recht führen können. Zum Beispiel bringt der Wettkampfcharakter im Sport oft Risiken für die körperliche Unversehrtheit mit sich, was von den Sportlern akzeptiert wird. Oder es werden auf Grund des Zuschauerinteresses Schiedsrichterentscheidungen ohne langwierige Gerichtsverhandlungen anerkannt. Außerdem verlangt die Chancengleichheit zu beachtende Spielregeln und bei Nichteinhaltung auch das Aussprechen von Strafmaßnahmen.

Grenzen der Autonomie

Natürlich kann der Sport nicht sämtliche staatliche Normen außer Kraft setzen. Die Grundrechte gelten immer und wirken in jeden Bereich der Gesellschaft. Solange es sich um "sport-typische" Belange wie Spielregeln der jeweiligen Sportart handelt, sind Vereine und Verbände in der Setzung ihrer Regelungen relativ frei. Grenzen werden durch zwingende Vorschriften oder die Beachtung der guten Sitten (§ 138 BGB) gezogen. Vereins- und Verbandsmaßnahmen können durch staatliche Gerichte überprüft werden. Diese Kontrolle wird bei der Professionalisierung des Sports immer wichtiger, weil wesentliche Rechtspositionen berührt werden können. So führt die in Deutschland bestehende Monopolstellung vieler Sportverbände dazu, dass die Sperre eines Profi-Sportlers einen Eingriff in die durch Art 12 GG garantierte Berufsfreiheit darstellen kann.
Eines der größten Probleme im Sportrecht ist es, eine Grenze zu finden zwischen der zur Verwirklichung des Sports nötigen Autonomie und dem allgemeingültigen staatlichen Recht, das dem Schutz des Einzelnen dienen soll.

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Seite  1:  Organisation - Die rechtlichen Grundlagen
Seite  2:  Aufbau der Sportorganisationen
Seite  3:  Die staatlichen Rechtsgrundlagen
Seite  4:  Die Sportgerichtsbarkeit
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