Die Nuer unterscheiden, wie wir auch, zwischen cuong (Recht) und duer (Unrecht). Allerdings haben diese Bezeichnungen für sie eine viel weiter reichende Bedeutung als für uns. Ist jemand der Meinung, dass ihm durch einen anderen Unrecht widerfahren ist, fordert er ihn zunächst zum Kampf auf. Eine andere Instanz existiert nicht. Lehnt jemand eine Auseinandersetzung ab, kommt dies einem Todesurteil gleich, da der Kontrahent sein Recht notfalls mit Gewalt oder durch Androhung dieser durchsetzt. Daher ist Mut bei den Nuer eine der größten Tugenden. Ihnen wird schon in frühester Kindheit beigebracht, Auseinandersetzungen im Kampf zu lösen.
Dementsprechend schlagen sich die Kontrahenten, bis einer von beiden schwer verletzt ist, stirbt oder beide getrennt werden. Letzteres geschieht häufig und vor allem bei Streit zwischen unterschiedlichen Dörfern, da so schnell ein Kampf zwischen allen Männern entsteht, was viele Menschenleben kosten kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Nuer Recht nur durch Gewalt durchsetzen können oder sich die Gewaltspirale ewig weiter fortsetzt. Nach einer Gewalttat wird immer versucht, eine friedliche Einigung zu erzielen.
| Seite 1: | Die Nuer - Menschliche Ordnung seit dem Anbeginn der Zeit |
| Seite 2: | Was man über die Nuer wissen sollte |
| Seite 3: | Unterschiede in der Familienbande zwischen den Nuer und Europäern |
| Seite 4: | Die Nuer: Stamm ohne Obrigkeit |
| Seite 5: | Das Recht der Nuer |
| Seite 6: | Cuong, duer und Konsens |
| Seite 7: | Der Mann mit dem Leopardenfell |
| Seite 8: | Gründe für den Gang zum Priester |
| Seite 9: | Konfliktlösung des Priesters bei Blutrache - das thung |
| Seite 10: | Die Selbstjustiz der Nuer |
