Die Legende von Napster

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Das Internet. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1969. Die Advanced Research Projekts Agency des Verteidigungsministeriums der USA geben die Entwicklung eines Computernetzes in Auftrag .. .

Ein paar gewiefte Militärs in Amerika erfanden das Netz der Netze, denn es gelüstete sie, bei einem atomaren Schlag die Kommunikation mit anderen Stützpunkten Aufrecht halten zu können. Zum Anderen wollten sie die Zusammenarbeit verschiedener Forschungsstellen erleichtern. Entstanden ist daraus dieses sagenumwobene Web, ein Netzwerk von ständig miteinander verbundenen Computern auf der ganzen Welt. Aber natürlich war dieser Kommunikationsweg nicht nur für die Soldaten interessant. Wissenschaften nutzten es zum schnellen Informationsaustausch, und geschwind gab es Zugänge zum Netzwerk von vielen privaten Haushalten in der ganzen Welt.

Gold!Gold!Gold! Eine neue Welt hatte sich aufgetan. Eine imaginäre Großstadt ohne Grenzen. Die ersten Pioniere waren aufgebrochen, das Gold des Webs zu entdecken, und ihre Schreie waren weltweit zu hören. Ihr Gold waren Ideen, die aus den Eigenarten und Eigenschaften des neuen Mediums bares Geld machten. Geschäftstüchtige Männer, die längst das Stadium der Spielerei im Internet verlassen hatten und ihre Visionen umsetzten. Die Protokolle im Internet wurden erwachsener, und mit ihnen ihre Anwender.

Auch das Gesetz des World Wide Webs war vergleichbar mit dem Gesetz, das für die Goldsucher galt. Es gab keines. Auch hier waren die Sucher und ihre Dienstleister schneller als die Polizei , und Gesetze, die etwas Ordnung im neuen wilden Westen schaffen konnten, längst überfällig. Das Internet war rechtliche Grauzone, und solange keine wirklichen Regeln geschaffen wurden, ging es drunter und drüber. Aber nur scheinbar, denn die Nutzer der neuen Technologie wussten genau was sie taten, und es bildeten sich eigene ungeschriebene Gesetze, die befolgt wurden. Die meist befolgt wurden.

Und was für Zeiten waren das! Gnadenlos wurden Geschäfte gemacht, ohne sich an irgendwelche gängigen Beschränkungen zu halten. Da wurde geschimpft, geräubert und geklaut, als hätte es nie Gesetze wie Beleidigung , Urheberrecht oder Markenschutz gegeben. Domains wurden besetzt, in Geiselhaft genommen oder missbraucht, ohne Rücksicht auf Namensrechte anderer. Unzählig sind die Verstöße in der Vergangenheit, unendlich wie das Netzwerk selbst.

Und die Revolverhelden dieses Wild Wild Webs! Gnadenlose Rechtlose, die von Freiheit und Selbstkontrolle sprachen. Das Netz regele sich selbst, Gesetze brauche es nicht. Ihrer gab es viele, und es schien, als sei die Übermacht der Gesetzlosen zu groß. Bis - ja bis eine Handvoll unbeugsamer Gerechtigkeitsfanatiker, die Letzten einer längst verloren geglaubten Art, sich wagemutig den Abgründen der Rechtswidrigkeit stellten. Die Sherrifs des Internets, Hüter des Lichts, Ringträger, wie einst Frodo gegen Sauron oder Luke Skywalker gegen die dunkle Macht.

Sie streunten durch die Glasfaserkabel, stöberten Rechtsbrecher auf und forderten diese zum Duell. Zur Unterstützung suchten sie Beistand der ordentlichen Gerichtsbarkeit , denn allein, das wussten sie, waren sie ohne Chance.
Die Gerichte, völlig überfordert von dieser Art Auseinandersetzung in einer Welt zwischen Zeit und Raum, besannen sich auf ihre alten Tugenden - und sprachen Recht. Völlig fehlgeleitet anfangs, hervorgerufen durch Unwissen ob der neuen Materie und der interdisziplinären Sachverhalte, gesteigert von gänzlichem Unverständnis und dem Unvermögen, sich in die moderne Zeit hineinzudenken.

Aber es geschah, wie es einst geweissagt wurde, und das Gute obsiegte. Die Gerichte bekamen Unterstützung von höheren ihrer Art, die mutiger, entschlossener und - weiser waren. Zusammen waren sie stark jetzt, und die Zeit der Gesetzlosen war fast vorbei.

Nur einen Geächteten gab es noch, und seine Macht war groß wie nie zuvor. Es war der Robin Hood der neuen Welt, und er hörte auf den klangvollen Namen Napster. Geben ist seeliger denn nehmen, dies war sein Lebensmotto, und so geschah es. Er napsterte von den Reichen, Starken und Skrupellosen, und er gab es zu den Armen und Schwachen. Diese dankten es ihm mit Hits und Userzahlen und waren glücklich über die Zeit, in der sie leben durften.

Doch drei wackere Kämpfer auf dem Pfad der Gerechten trieben Napster in die Enge, auf das dieser sich gezwungen sah, sich mit seinem schlimmsten Erzfeind zu verbünden. Dieser Erzfeind hatte den unausprechlichen Namen Bertelsmann, und seine erste Handlung war die Ankündigung einer Geschlechtsumwandlung des modernen Robin Hood. Dies reichte den drei Kämpfern des Lichts aber noch nicht, und so kerkerten sie den armen Jungen in ein dunkles Verließ und hielten ihn wie ein Tier.

So steht es geschrieben. Dies war das Ende von Napster und der Beginn einer neuen Zeit. Eine Zeit ohne Kriminelle, ohne Rechtsverstöße und Unannehmlichkeiten im Internet.
Wenn nicht... Ja wenn da nicht die unehelichen Kinder von Napster wären, Napsters Kinder und Jünger, die den gerodeten Sherwood Forest verlassen haben und nunmehr Schutz in der unzugänglichen Kanalisation von Nottingham fanden.

Ganz leise ruft der Wind ihre Namen.

Hört ihr es nicht? Ihr müsst nur genau hinhören und eure Inbox reinlich halten. Dann könnte es sein, dass sie auch zu euch kommen. Um euch aus der heilen Welt zu holen. In die bösen, vergessenen Weiten des Internet.

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