Der Niedergang der Hexenverfolgung

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Hexe, Hexenprozess, Hexenverfolgung, Hexenhammer

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Licht am Ende der Dunkelheit

Die Hexenverfolgung wurde nicht pauschal befürwortet. Immer wieder gab es Stimmen gegen das flammende Schwert der Inquisition. Harsche Kritik an den schonungslosen blutigen Exzessen des Hexenverfolgung kam ausgerechnet aus Rom. Francesco Albizzi, zur dieser Zeit Assessor im Vatikan, kam 1636 in diplomatischer Mission nach Deutschland, wo sich ihm das schauderhafte Schauspiel der Hexenprozesse bot. Zurück in Rom erstattete er Bericht über die Verhältnisse in Deutschland. Zwar teilte man im Vatikan den Hexenglauben, hatte aber anders als die provinziellen Kirchenobrigkeiten einen für diese Zeit erstaunlichen Realitätssinn bewahrt. Den Fanatismus in Deutschland hielt man für übertrieben.

In der Folgezeit verfasste Albizzi neue gemäßigte Prozessinstruktionen und bewirkte bei Papst Innozenz X., dass 15 Kinder, die in Deutschland wegen Hexerei getötet werden sollten, nach Mailand in Sicherheit gebracht wurden. Francesco Albizzi machte sich in Rom einen Namen und stieg bis zum Kardinal auf. In den Fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts ließ der Vatikan auf der Grundlage von Albizzis Abhandlungen zu Hexenprozessen Flugblätter drucken und an die Hexenkommissare verschicken, in denen sie dazu aufgefordert wurden, mäßiger und nicht voreilig zu verfahren.

In seinen Abhandlungen erwähnt Albizzi auch die Cautio Criminalis. Dieses Werk erschien 1632 und prangerte die Willkürlichkeit der Hexenprozesse an. Der Verfassser war der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld, der die Cautio Criminalis aber aus Angst, der Ketzerei angeklagt zu werden, anonym veröffentlichte. In der Schrift heißt es: „Ich will nun etwas sagen, das alle hören sollen, die Ohren haben zu hören. Man erfinde irgendein grässliches Verbrechen, von dem das Volk Schaden befürchtet. Man verbreite ein Gerücht darüber und lasse die Gerichte dagegen einschreiten mit denselben Mitteln, wie sie jetzt gegen das Hexenunwesen angewandt werden. Ich verspreche, dass ich mich der allerhöchsten Obrigkeit stellen und lebend ins Feuer geworfen werden will, wenn es nach kurzer Zeit in Deutschland nicht ebenso viele dieses Verbrechens Schuldige geben sollte, wie es jetzt der Magie Schuldige gibt." Mit seiner sehr kritischen Haltung zur Hexenverfolgung wurde von Spee zu einem Avantgardisten der Aufklärung.

In der beginnenden Aufklärung verebben Hexenglaube und die Prozesse allmählich. Die letzte Hexe wurde 1782 im schweizerischen Kanton Glauris hingerichtet.

Quellen: uni-trier.de, zeitenblicke.historicum.net, sfn.uni-münchen.de, der-hexenhammer.de, wikipedia.org und weitere

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Die Geschichte der Hexenprozesse
Seite  2:  Die Hexe
Seite  3:  Die Häretiker
Seite  4:  Die Inquisition
Seite  5:  Der Hexenhammer
Seite  6:  Die Folter
Seite  7:  Gottesurteile
Seite  8:  Der Dreißigjährige Krieg
Seite  9:  Der Niedergang der Hexenverfolgung