Der Dreißigjährige Krieg

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Hexe, Hexenprozess, Hexenverfolgung, Hexenhammer

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Europa in Trümmern

Seine traurige Blüte erlebte die Hexenverfolgung in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Es war eine Zeit des Elends in ganz Europa. Tausende starben im Krieg oder in der unmittelbaren Folge des Konflikts. Ein Wetterphänomen, das von den Meteoreologen heute als kleine Eiszeit bezeichnet wird, sorgte für lange Winter, Missernten und Hungersnöte. In dieser Periode der Grausamkeit suchten die Menschen nach Sündenböcken, die ihnen mit den Hexen von der Obrigkeit bereitwillig präsentiert wurden, um die Bevölkerung ruhig zu stellen. Hetzredner schürten den Hass weiter. In ganz Europa loderten die Scheiterhaufen, ganze Ortschaften wurden durch den Hexenwahn entvölkert. Jedoch war nicht, wie vielfach angenommen, die Kirche die Initiatorin des Hexenwahns, sondern vielmehr die weltlichen Gerichtsbarkeiten. Der Vatikan stand der Instrumentalisierung der Inquisition zur Hexenverfolgung eher ablehnend gegenüber, war sie doch eigentlich dazu gedacht, vom Glauben Abgefallene in den Schoß der Kirche zurückzuführen.

Hexenprozesse gingen meistens von dörflicher oder städtischer Ebene aus. Oft bekam die zuständige Gerichtsbarkeit „Hinweise aus der Bevölkerung“ oder es wurde in der Bevölkerung schlicht und ergreifend das Bedürfnis laut, Hexenprozesse abzuhalten, damit die frommen Menschen wieder in Ruhe leben konnten. Anlass für Anschuldigungen waren nicht selten Neid und Missgunst. Ausgesprochene Verdächtigungen waren eine wirksame Möglichkeit, soziale Konflikte auszutragen. Der Weg von einer Anschuldigung zu einem Hexenprozess war im Mittelalter kurz. Der Kläger musste nur aufpassen, dass die Anschuldigungen nicht auf ihn zurückfielen.

Eine anschauliche Schilderung liefert der 1676 in Buchform erschienene Augenzeugenbericht von Hermann Löher, der in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts Bürgermeister der Stadt Rheinbach im Kölner Raum war. In dieser Position war er damals unmittelbar an den Hexenprozessen in seiner Gemeinde beteiligt, zu deren Durchführung man den berüchtigten Hexenkommissar Dr. Franz Buirmann angefordert hatte, der zu diesem Zeitpunkt bereits auf einen Werdegang von über 50 Veurteilungen zurückblicke konnte. Anfangs noch aktiv involviert, war Löher schon bald von der brutalen und fanatischen Kompromisslosigkeit entsetzt, mit der der Hexenkommissar seine Prozesse führte. Der Kahlschlag in der Bevölkerung war radikal. Wer es wagte eine Kritik abzugeben, lief Gefahr, selbst auf der Anklagebank zu landen. Als Löher schließlich selbst in Verdacht geriet und sich nur durch eine Bestechung der Verhaftung entziehen konnte, floh er mit seiner Familie nach Holland, wo er später seinen Augenzeugenbericht verfassen sollte.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Die Geschichte der Hexenprozesse
Seite  2:  Die Hexe
Seite  3:  Die Häretiker
Seite  4:  Die Inquisition
Seite  5:  Der Hexenhammer
Seite  6:  Die Folter
Seite  7:  Gottesurteile
Seite  8:  Der Dreißigjährige Krieg
Seite  9:  Der Niedergang der Hexenverfolgung
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