Der Hexenhammer

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Hexe, Hexenprozess, Hexenverfolgung, Hexenhammer

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Im 15. Jahrhundert breitete sich der Glauben an die verheerenden Untaten „der infernalischen Gefolgschaft des Teufels“, den Hexen, aus. Ausgehend von den gelehrten Eliten setzte sich die Vorstellung, dass die satanischen Dienerinnen und Diener in einem apokalyptsichen Krieg Unheil über die göttliche Schöpfung brächten, schnell auch im einfachen Volk durch. Bald wurden Hexen für Krankheiten und Unwetter verantwortlich gemacht. Es ging das Gerücht, sie töteten ungetaufte Neugeborene und verhexten das Vieh. Außerdem war es ein gängiger Glauben, Hexen würden an orgiastischen Ausschweifungen, so genannten Hexesabbats teilnehmen.

Der Dominikanermönch Heinrich Kramer verfasste 1487 den Hexenhammer (Malleus Maleficarum), ein dreiteiliges Leitwerk zur organisierten Durchführung von Hexenprozessen, mit dem der Feldzug gegen die „teuflichen Heere“ erstmals systematisiert wurde.

  1. Definition der Begriffe Hexe und Hexenglaube.
    Hexen hätte sich vom wahren Glauben abgewandt und seien ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen. Zum Ausgleich für die Zauberkräfte, die er ihnen verleihen würde, müssten sie sich ihm durch die so genannte Teufelsbuhlschaft unterwerfen. In diesem Teil des Hexenhammers schreibt Kramer, dass schon die Verleumdung des Hexenglaubens einen Akt der Ketzerei darstelle, weil der Glaube an den Teufel ein fester Bestandteil des christlichen Glaubens ist. Damit legte er den Grundstein für die fanatische Hetze gegen Hexen. Niemand traute sich mehr, nicht an Hexen zu glauben und Zweifel an den Prozessen und der Schuldigkeit der Angeklagten zu äußern. Kritik an der allgemeinen Hexenhatz war ein riskantes Wagnis.

  2. Das Wirken der Hexen.
    Im zweiten Teil seiner Abhandlung zieht Kramer ein Register sämtlicher Klischees, die es zu dieser Zeit über Frauen gab. Detailliert schildert er, dass Frauen für das Böse in Gestalt des Teufels empfänglicher seien, da sie triebhafter als die Männer wären. Für seine Ausführungen findet Kramer eine hanebüchene Erklärung. Er trennt das lateinische Wort für Frau femina in fe (= fides = Glaube) und minus (= weniger) und stellt die These auf, dass das bedeute, Frauen hätten weniger Glauben. Zudem setzt sich der zweite Abschnitt des Hexenhammers mit der Art des Hexenwirkens auseinander. Kramer zufolge betrieben Hexen alle Arten von Schadenszaubern.

  3. Detaillierte Prozessführung.
    Der Dominikaner äußert sich ausführlich zur Erkennung von Ketzerei und zur Durchführung von Prozessen. Nach Kramer gibt es vier Wege, einen mutmaßlichen Ketzer zu überführen und zu verurteilen:

    • Erkenntnisse, die durch Folter oder durch die Aussagen von Zeugen gewonnen werden
    • „Die Evidenz der Tat“, was schlichtweg bedeutet, dass die Tat dem Gericht bekannt sein muss
    • Auslegung des Rechts
    • mehrmaliger dringender Tatverdacht

Der Hexenhammer entwickelte sich rasch zum Leitwerk, die schonungslose Verfolgung zauberverdächtiger Frauen und Männern zu systematisieren. Es diente in der Folgezeit zahlreichen Hexentheoretikern als Rechtfertigung für ihr Vorgehen. Eiferer überschlugen sich in der Auslegung des Hexenhammers, der im Vergleich zur Realität der Hexenprozesse fast noch gemäßigt erscheint. In leichteren Fällen sieht er Buße oder Haft vor, statt des Todesurteils durch weltliche Gerichte. Bis 1669 wurden insgesamt 29 Auflagen gedruckt. Die Gefährlichkeit des Hexenhammers lag somit nicht nur in seinem brisanten Inhalt, sondern auch in seiner weiten Verbreitung.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Die Geschichte der Hexenprozesse
Seite  2:  Die Hexe
Seite  3:  Die Häretiker
Seite  4:  Die Inquisition
Seite  5:  Der Hexenhammer
Seite  6:  Die Folter
Seite  7:  Gottesurteile
Seite  8:  Der Dreißigjährige Krieg
Seite  9:  Der Niedergang der Hexenverfolgung
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