Ein dumpfes Raunen geht durch die Studentenschaft. Im Januar endete der monatelange Diskurs um die Einführung allgemeiner Studiengebühren mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Die Ländern haben nun die Kompetenz, in Eigenregie zu entscheiden, ob sie einen tiefen Griff in die Portemonnaies der Studenten wagen wollen oder eher nicht.
Es sieht schlecht aus für Deutschlands akademischen Nachwuchs. Die Länder stehen bereits in den Startlöchern und einige sind begierig darauf, die Studenten zur Kasse zu bitten. Dann werden nicht wie bisher nur Bummelanten viel zahlen müssen, auch das Erststudium wird gebührenpflichtig.
Die Angst vor den Studiengebühren grassiert unter Studenten und solchen, die es werden wollen. Für ein Gros von Studenten würden Gebühren das Aus bedeuten. Für viele Schulabgänger ist das Studium unter dem schwebenden Damoklesschwert der Studiengebühren schon keine Option mehr.
Geplant sind bis zu 1.000 Euro pro Jahr. Das trifft Studenten, die nicht aus einem reichen Elternhaus stammen und vor allem BAföG-Empfänger hart. Sie werden diese Summe nur sehr schwer oder gar nicht aufbringen können. Allgemeine Studiengebühren wären der Wegbereiter für eine Zweiklassengesellschaft auch in der Bildung. Die Frage, wer studieren kann, würde sich zukünftig im Geldbeutel entscheiden.
Befürworter des gebührenpflichtigen Studiums werben für eine Studienfinanzierung über spezielle Bankkredite. Aber damit würden die Banken entscheiden, wer studieren darf und wer nicht. Die werden unter Garantie nur dann für die Finanzierung in die Bresche springen, wenn sich ihnen ein lohnendes Geschäft bietet. Das heißt, wenn die Chance auf zinsreiche Rückzahlung hoch ist. Welche Bank würde auf einen Theologiestudenten aus ärmlichen Verhältnissen setzen?
Niemand scheint auf die Idee zu kommen, wenigsten staatliche Kredite anzubieten, die unabhängig von Zukunftsperspektiven und sozialer Herkunft vergeben werden. Im europäischen Ausland ist das längst gang und gebe.
Würden die Einnahmen durch die Studiengebühren in vollem Umfang den Hochschulen zugute kommen, um in die Qualität der Unis und die Ausbildung investiert zu werden, wäre die prinzipielle Idee von Gebühren diskutabel. Aber letztendlich bekommen die Universitäten kaum etwas von dem Geld. Dabei sollten die Hochschulen eigentlich von den Ländern getragen werden. Wie es scheint, versucht die Politik ihre Kompetenz und damit die Verantwortung für eine gescheiterte Finanzpolitik auf die Studenten abzuwälzen.
In Anbetracht der Verlockung kurzfristiger Lösungen bleibt nachhaltiges Denken auf der Strecke. Das Bestreben um die Einführung von Studiengebühren zeigt wieder einmal, wie die Politik auf dem Weg aus der Misere in blinden Aktionismus verfällt. Niemand scheint sich jedoch Gedanken zu machen, auf wessen Rücken die Reformen ausgetragen werden. Die Dummen werden im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal die sozial Schwachen sein.
