Deutscher Student in Afghanistan in US-Gewahrsam
AFP VOM 26.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 916 Aufrufe Mehr zum Thema:Terror
Familie spricht von falschen Beschuldigungen
Die Bundesregierung bemüht sich nach eigenen Angaben bei US-Stellen "intensiv" um Zugang zu einem in Afghanistan festgenommenen deutschen Studenten. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass ein Deutscher in Afghanistan "in US-Gewahrsam" sei. Das Ministerium wollte sich aber nicht zu Berichten äußern, wonach US-Soldaten den 23-Jährigen ins Militärgefängnis Bagram in Afghanistan brachten.
Auch zu den Gründen für die Festnahme wollte das Auswärtige Amt keine Angaben machen. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurde der Deutsch-Afghane aus Frankfurt am Main am 8. Januar in Kabul im Haus seines Vaters aufgegriffen. Gründe für die Festnahme seien der Familie in Frankfurt am Main nicht genannt worden. Demnach erhielt sie von der US-Botschaft in Kabul auf Nachfrage per E-Mail lediglich die Auskunft, der Mann werde im Einklang mit dem Kriegsvölkerrecht festgehalten und gemäß der Genfer Konvention human behandelt.
Die Familie erklärte gegenüber der "SZ", dass der 23-Jährige lediglich seinen Vater habe besuchen wollen. Offenbar stehe er aber unter Terrorverdacht. Die Familie des 23-Jährigen macht der Zeitung zufolge zudem deutsche Sicherheitsbehörden mitverantwortlich für dessen Verhaftung. Laut seiner Schwester hätten die Behörden "unzutreffende Informationen über angebliche strafbare Bestrebungen" nach Afghanistan weitergeleitet.
Das Bundeskriminalamt (BKA) wies dies zurück. Es seien "keine Informationen an ausländische Stellen weitergeleitet oder übermittelt worden", die zur Festnahme des Mannes hätten führen können, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Zu Einzelheiten wollte sich das BKA nicht äußern.
Laut "SZ" stellte die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Sommer 2010 ein Ermittlungsverfahren gegen den Studenten ein, der auch seinen eingezogenen Reisepass zurückerhielt. Es habe der Verdacht bestanden, dass er sich für den Dschihad, den Heiligen Krieg, ausbildenlassen wollte.
Der Fall beschäftigt kommende Woche auch den Hessischen Landtag. Die Fraktion Die Linke brachte dazu eine entsprechende Frage ein. Sie verwies darauf, dass es sich bei Bagram um ein für Folterungen berüchtigtes US-Gefängnis handele.
26.01.2011 - 18:31 Uhr


