Deutsche Opferanwälte wollen Air France und Airbus verklagen
AFP VOM 27.11.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1186 Aufrufe Mehr zum Thema:Flugzeugabsturz
Absturz vom 1. Juni über dem Atlantik "vorhersehbar"
Anwälte deutsche Opferfamilien des Airbus-Absturzes über dem Atlantik wollen Klage gegen Air France, Airbus sowie die französische Luftfahrtaufsicht einreichen. Der Absturz des Air-France-Fluges 447 am 1. Juni sei "geradezu vorprogrammiert und vorhersehbar" gewesen, erklärten sie am Freitag in Berlin. Der Flugzeugbauer Airbus, Air France und die Kontrollbehörde hätten das bekannte Risiko durch die fehleranfälligen Geschwindigkeitsmesser jahrelang "schlicht geleugnet beziehungsweise zumindest unterschätzt". Die Airbus-Maschine vom Typ A330 war am 1. Juni auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich über dem offenen Meer abgestürzt. Dabei kamen alle 228 Insassen ums Leben, unter ihnen 28 Deutsche.
"Die Ereignisse, die zum Unfall am 1. Juni beitrugen, liegen wesentlich in der Verantwortung von Air France und Airbus, jedoch unterliegen beide der Regierungsaufsicht durch die französische Luftfahrtbehörde DGAC", erklärten die Anwälte, darunter der Opferanwalt Ulrich von Jeinsen aus Hannover. Bereits 1998 sei ein "ähnlich kritischer Zwischenfall" mit den Geschwindigkeitsmessern auf einem Airbus-Flugzeug bekannt geworden. Allein in den sechs Monaten unmittelbar vor dem Flugzeugabsturz hätten sich neun Sensorausfälle bei Air France ereignet, "ohne dass diese die Fluggesellschaft, den Flugzeughersteller oder die Luftfahrtbehörde zu einer sofortigen Gegenmaßnahme veranlassten".
In den nächsten Wochen wolle das Team mit Klagen in Europa und Brasilien darauf hinwirken, "dass im Rahmen der Unfalluntersuchung alle zur Katastrophe beitragenden Faktoren ungeachtet Industrie- und Staatsinteressen auf den Tisch kommen", erklärten die Anwälte. Der beteiligte Berliner Rechtsexperte Elmar Giemulla sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Klagen würden derzeit vorbereitet und von der jetzt gegründeten Vereinigung der deutschen Opferfamilien im Januar eingereicht.
27. November 2009 - 14.10 Uhr
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