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Der "Schwarze Sheriff" bleibt sich treu

AFP VOM 17.8.2004 | Nachrichten - Vor Gericht | 3113 Aufrufe
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Kanther

- Schneidiger Auftritt von Ex-Innenminister Kanther vor Gericht

Nichts weniger als seine eigene Lebensleistung scheint Manfred Kanther im Gerichtssaal verteidigen zu wollen: "Ich habe 30 Jahre für dieses Land gearbeitet und habe nicht vor, irgendeinen unehrenhaften Aspekt haften zu lassen", sagte der frühere Bundesinnenminister in scheidigem Tonfall vor dem Landgericht Wiesbaden, wo er sich seit Dienstag wegen seiner Rolle in der Finanzaffäre der hessischen CDU verantworten muss. Und die Botschaft des 65-Jährigen war eindeutig: Politisch mag es ein Fehler gewesen sein, Anfang der 80er Jahre Millionen Mark der hessischen CDU ins Ausland geschafft zu haben. Aber strafbar habe er sich in keinster Weise gemacht.

Gemeinsam mit dem früheren hessischen CDU-Schatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein und dem ehemaligen CDU-Finanzberater Horst Weyrauch, die ebenfalls angeklagt sind, soll Kanther als damaliger Generalsekretär der Hessen-CDU Ende 1983 20,8 Millionen Mark (10,63 Millionen Euro) ins Ausland verschoben und das Vermögen seinem Landesverband verschwiegen haben. Kanther bestreitet diesen Geldtransfer nicht; doch gab es dafür nach seiner Überzeugung gute Gründe: Die Flick-Affäre erschütterte damals die Bundesrepublik und Kanther wollte verhindern, dass sein Landesverband in die Debatte hineingezogen wird. "Das Ziel war, Schaden von der CDU abzuwenden", begründete er die Entscheidung, das Geld in die Schweiz zu transferieren. Später wurde es dann etwa als jüdische Vermächtnisse getarnt wieder zurückgeholt.

Wichtig ist Kanther, der von 1991 bis 1998 auch hessischer Landesvorsitzender war, vor allem eins: Er habe sich nicht um einen Pfennig bereichert, jeder Pfennig sei für die CDU ausgegeben worden, sagte er zu Beginn seiner Erklärung. Zudem sei das Vermögen verdoppelt worden. Dies seien die "einfachen Wahrheiten". Doch die Medien hätten diese nur im Kleingedruckten erwähnt, weil sie der "Kampagnenfähigkeit des Themas" entgegengestanden hätten. Am Dienstag wollte Kanther nun seine Wahrheit der Geschichte präsentieren. Denn gegen "diese Form der öffentlichen Behandlung" bleibe ihm nur die Gegenwehr im Gerichtssaal.

Das Kreuz durchgedrückt, die Hände mal hinter dem Rücken verschränkt und dann wieder wie in einer politischen Debatte gestikulierend, ließ der einstige "Schwarze Sheriff" noch einmal die politischen Kämpfe der 80er Jahre aufleben: Die hessische CDU habe sich dem "linkswütigen Zeitgeist der Nach-68er" entgegenstellt. Immer wieder sei ihr die linke Speerspitze entgegengehalten worden, doch die CDU habe sie "stumpf gemacht", prahlte er. Schon die Befragung zum Lebenslauf nutzte der in Schlesien geborene Kanther, der nach der Vertreibung zunächst in Thüringen gelebt hatte, zu einem politischen Bekenntnis: Es sei ihm immer ein "besonderes Anliegen" gewesen, "jedwede sozialistisch betriebene Politik mit meinen Kräften entgegenzutreten".

Für seine CDU und ihren Kampf gegen die politischen Gegner entschloss er sich deshalb, das Parteivermögen ins Ausland zu schaffen. Er sei sich des persönlichen politischen Risikos bewusst gewesen, doch der politische Auftrag sei ihm das Risiko wert gewesen. Heute räumt er zwar ein, damals einen "politischen Fehler" begangen zu haben. Doch weil er sein Bundestagsmandat niederlegte und damit persönlich die Konsequenzen zog, ist die Sache für ihn erledigt. Denn strafbare Handlungen bestreitet er vehement: Diese seien immer "die absolute Grenze" gewesen.

Seine Partei stürzte dennoch in eine tiefe Krise, nachdem Kanther den Geldtransfer Anfang 2000 öffentlich gemacht hatte. Der hessische CDU-Regierungschef Roland Koch, der jegliches Wissen von den Schwarzkonten bestreitet, musste wochenlang um sein Amt bangen. Nun holt die CDU der Skandal noch einmal ein - für Kanther unverständlich: "Wir haben aus anständiger politischer Motivation gehandelt", schloss er seine Verteidigung in eigener Sache.

17. August 2004 - 16.08 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2004




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