Der Traum von der Modelkarriere geplatzt - Unseriöse Casting-Agenturen

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Immer wieder versprechen unseriöse Casting-Agenturen jungen Frauen den Traum von der Modelkarriere.

Unseriöse Agenturen akquirieren ihre Kundinnen oft direkt auf der Straße oder im Szenecafe. Und sie werben im Internet.

Da wird viel versprochen, aber meist verpflichten sich die Agenturen nur zu Fotoaufnahmen und / oder die Aufnahme des Models in einem Katalog bzw. in einer Internetdatenbank.

Schnell kommt dann die böse Überraschung. Denn für diese „Leistungen“ wird ordentlich abkassiert. Zu einer echten Model-Vermittlung kommt es allerdings nie.

Vorsicht…

Eine Agentur, die Geld von einem potentiellen Model verlangt bevor überhaupt ein Auftrag vermittelt wurde, ist unseriös. Solche Agenturen wollen den jungen Frauen das Geld aus der Tasche ziehen. An einer seriösen Vermittlung sind sie indes nicht interessiert.

Recht bekommen…

Was können Sie nun aber tun, wenn Sie trotzdem darauf reingefallen sind?

Verträge mit solchen unseriösen Anbietern können aus mehreren rechtlichen Gesichtspunkten nichtig bzw. nicht zu erfüllen sein. Dies erfordert aber – darauf sei eindringlich hingewiesen – immer eine Vertragsprüfung im Einzelfall.

Anfechtung wegen Täuschung

Oft versprechen die Anwerber den jungen Frauen das Blaue vom Himmel.

Wird von den Agenturen unter Täuschung über die Tatsachen mündlich mehr versprochen (insbesondere die Unentgeltlichkeit der Aufnahme), als dann vertraglich zu leisten ist, kann der Vertrag wegen arglistiger Täuschung angefochten werden. Für die leeren Versprechungen ist dann allerdings die Kundin beweispflichtig.

Wucher

Das Honorar für die oft mittelmäßigen Fotoaufnahmen kann zudem den Tatbestand des Wuchers erfüllen. Unter Wucher versteht man das Angebot einer Leistung zu einer deutlich überhöhten Gegenleistung unter Ausnutzung einer Schwächesituation des Vertragspartners. Solche Verträge sind wegen Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB) nichtig. Aber Achtung, auch hier gibt es keine Pauschallösung. Ob Wucher vorliegt, hängt vom Einzelfall ab. Maßgebend sind z.B. die Qualität und Anzahl der Fotos, die Umstände der Aufnahmen (Einzelcasting oder Massencasting) und auch, ob ein „echter" Fotograf (Fotograf ist eine geschützte Berufsbezeichnung, da es ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist) die Aufnahmen gemacht hat oder von „Hobbyfotografen“ standardmäßige Digitalaufnahmen gemacht wurden.

Unzulässige Arbeitsvermittlung

Außerdem kann in der Tätigkeit der Modelagentur auch eine unzulässige Arbeitsvermittlung liegen, die wegen des Verstoßes gegen ein gesetzliches Verbot (§ 134 BGB) nichtig ist.

Für die Arbeitsvermittlung ist (neben den Sondervorschriften des § 296 SGB III) das Maklerrecht anzuwenden.

Daraus folgt: vermitteltet die Modelagentur als Arbeitsvermittler an sich selbst (Aufnahme in den eigenen Katalog), schließt dies einen Provisionsanspruch aus.

Denn nach dem Maklerrecht darf ein Makler wegen der wirtschaftlichen und personellen Verflechtung nie an sich selbst Personen vermitteln.

Vermittelt die Casting-Agentur als Arbeitsvermittler tatsächlich an fremde Auftraggeber (was ohnehin eher selten vorkommt) so dürfen nach der Vermittler-Vergütungsverordnung und den Vorschriften der Arbeitsvermittlung nach §§ 296 ff SGB III keine Vorschüsse etwa für Fotos oder Karteikartenaufnahme verlangt werden. Ein Verstoß gegen die Vermittler-Vergütungsverordnung hat die Nichtigkeit (§ 134 BGB) des Vertrages zur Folge.

Achtung…

Eine seriöse Agentur verdient ihr Geld mit der Vermittlung von Aufträgen, nicht mit Geld für Fotoaufnahmen und Erstellung einer Sedcard. Daher Finger weg von solchen Agenturen oder ab zum Anwalt, wenn Sie darauf reingefallen sind.

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