Der Kronprinz des Postkonzerns
AFP VOM 15.2.2008 | Nachrichten - Allgemein | 2449 Aufrufe Mehr zum Thema:Frank, Appel, Post, ZUmwinkel
Frank Appel gilt schon lange als Zumwinkel-Nachfolger
Frank Appel gilt schon lange als Kronprinz von Post-Chef Klaus Zumwinkel. Eigentlich sollte der bisherige Logistik-Vorstand das Zepter des Riesenkonzerns mit seinen mehr als 500.000 Mitarbeitern erst im November übernehmen. Nun könnte alles schneller gehen als erwartet. Postchef Zumwinkel trat wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung zurück. Und Appel gilt nun als natürlicher Favorit für dessen Erbe. Wie die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, soll der 46-jährige schon am Montag vom Aufsichtsrat in den Chefsessel gehoben werden.
Appel kennt den Konzern inzwischen seit vielen Jahren. Im Jahr 2000 holte Zumwinkel den Mann mit dem schmalen Gesicht und den dunklen Augen aus der Geschäftsführung der Beratungsfirma McKinsey zur Post. Seit 2002 sitzt Appel im Vorstand. Im Oktober 2007 übernahm der gebürtige Hamburger im Vorstand die Verantwortung für das Logistikgeschäft mit weltweit rund 160.000 Beschäftigten und 25 Milliarden Euro Umsatz. Appel selbst wiegelte damals ab, wenn er nach seiner Rolle als Kronprinz gefragt wurde. Das sei Spekulation, er konzentriere sich darauf, "meine Arbeit so gut zu machen, wie ich es eben kann".
Bei dieser Arbeit wird oft seine Fähigkeit zur exakten Analyse gepriesen. Diese Gabe könnte sich auch aus seinem naturwissenschaftlichen Hintergrund speisen. In seiner Heimatstadt Hamburg studierte der Manager Chemie. Bevor er als Unternehmerberater zu McKinsey ging, promovierte Appel 1993 in Zürich im Fach Neurobiologie zum Thema "Das Zusammenwachsen von Nervenzellen nach Unfällen".
Sollte die Wahl tatsächlich auf Appel fallen, bekäme die Post zudem einen Chef, der Integrität und Nähe zu den Mitarbeitern für sich in Anspruch nimmt. "Ich gehe nicht morgens von zu Hause weg und wechsele den Anzug und sage, jetzt bin ich Manager, und wenn ich abends zur Familie komme, bin ich dann wieder ein anderer Mensch", sagte Appel einmal, der sich lange gegen einen großen Dienstwagen wehrte. Als er einmal seinen Volvo-Kombi auf den Vorstandsparkplatz abstellen wollte, wird erzählt, verweigerte der Pförtner ihm die Zufahrt, da die Chefetage normalerweise mit Autos aus einer anderen Preisklasse vorfährt.
Appel fordert, ein Mensch müsse "konsistent" sein, zwischen Manager und Privatmensch dürfe es keinen Unterschied geben. Zudem findet er, Eltern müssten Vorbild für ihre Kinder sein. Appel wohnt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern in Königswinter bei Bonn, wo er seine freien Wochenenden verbringt. Die freien Tage dürften im Falle einer Berufung zum Konzernchef weniger werden.
15. Februar 2008 - 16.27 Uhr
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