Der König ist tot, es lebe der König

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Doping ist nicht das Problem. Doping ist nur ein Symptom.

Der Rechthaber

Die Enthüllungen über die Ausmaße des Dopingsystems von Lance Armstrong scheinen für viele überraschend zu kommen. "Wie konnte er das nur jahrelang geheimhalten?"

Arne Schinkel
Von Arne Schinkel
Mitgründer von 123recht.net und Frag-einen-Anwalt.de. Schreibt über das Recht aus ungewohnter Perspektive: seiner. Beachtet die Symptome und bekämpft die Ursachen. Weniger Paragrafen, mehr Eigenverantwortung. "Was jeder einzelne tun kann? Sehr viel: Verantwortung übernehmen. Und im Fall von Unrecht entscheiden: Da mache ich nicht mit!"

Nur, es war ja nicht geheim. Jeder wusste es. Kollegen, Konkurrenten, Kontrolleure. Auch wir, zu Hause vor dem Fernseher und live an der Strecke. Jeder konnte seit Jahren sehen, dass die Beteiligten falsch spielen. Kann das Ausmaß, die Dreistigkeit und die Professionalität des Systems Armstrong wirklich so überraschen?

"Ich hatte eine ziemlich gute Ahnung davon, was vor sich ging", äußerte der diesjährige Toursieger Bradley Wiggins. „Ich bin schockiert über das Ausmaß der Beweise." Gleichzeitig beteuert er, dass heute alles besser ist: „Wir sind mittlerweile eine der Sportarten, die am erfolgreichsten die Leute überführt."

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Soll heißen: Es wird weiter gedopt, betrogen, Raubbau am Körper betrieben. Aber es ist trotzdem alles besser, denn es werden ja jetzt mehr Leute erwischt.

"Ein ganzer Sport zerbröckelt" schreibt Sueddeutsche.de. Wirklich? Nicht ein Sport. Der Sport müsste es eher heißen. Wer den Dopingskandal jetzt nur auf die Radfahrer bezieht, lebt die Lüge weiter. Der König ist tot, es lebe der König.

Das Problem ist nicht der Radsport. Genausowenig ist Doping das Problem. Doping ist nur ein Symptom.

Und die Ursache sind wir.

Wir regen uns einerseits über bekannt gewordene Skandale auf, tun überrascht, fordern härtere Strafen, härtere Gesetze. Dann aber machen wir weiter wie zuvor. Wieder stehen wir an der Strecke und jubeln, sorgen für hohe Einschaltquoten und feiern die Sieger in den Medien. Wir sind geil auf neue Rekorde und neue Siege, wir beschimpfen die Gegner als Hurensöhne und lieben unsere Idole. Siegen um jeden Preis. Wir sorgen dafür, dass Geld fließt. Zweite sind Verlierer, no pain no gain.

Sport, unsere Einstellung zum Sport, ist die natürliche Folge unserer Leistungsgesellschaft. Sport ist Leistung, Sport ist Vergleich, Sport ist Wettkampf. Sport ist Kampf. Selbst Yoga, urpsrünglich mal ein spiritueller Weg, verkommt zu einem Leistungssport, bei dem es oft nur noch darum geht, bestimmte Körperstellungen möglichst extrem und lange zu halten. Gesund ist das nicht.

Wir können Doping bekämpfen und verurteilen, dann doktern wir aber nur am Symptom herum. Grundlegend ändern wird sich dadurch nichts. Dazu müssten wir alle schon bereit sein, das System Leistungssport, unsere Geilheit auf Rekorde, Sieger und Pokale radikal in Frage zu stellen - und dann entsprechend handeln.

Wollen wir das?

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