Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
472.406
Registrierte
Nutzer

Defekte Heizkostenverteiler, wie abrechnen?

6.1.2016 Thema abonnieren Zum Thema: defekte
 Von 
Anitari
Status:
Student
(2018 Beiträge, 998x hilfreich)
Defekte Heizkostenverteiler, wie abrechnen?

Bei der Ablesung der HKV am 30.12.15 in meinen 2 Wohnungen ist mir aufgefallen das die Teile höchstwahrscheinlich im Ar… sind.

Grund meiner Vermutung:

Wohnung 1 mit 90 m² und 7 HKV ergab einen Verbrauch von 302 Einheiten (nein ich habe keine Null(en) vergessen) für 12 Monate.
Im Vorjahr waren es etwa 1.600 in 2 Monaten. Mietbeginn war der 1.11.14

In Wohnung 2 (40 m² und 5 HKV) waren es in 11 Monaten 1170 Einheiten und im 12. Monat (neuer Mieter ab 1.12.) 0 Einheiten. Kam dem neuen Mieter selbst komisch vor, denn er hat, so hat mir bestätigt, geheizt.

Laut Heizkostenverordnung gibt es ja solche Fälle eine Ausnahmeregelung die es dem Vermieter erlaubt entweder den Verbrauch anhand der Vorjahreswerte zu schätzen oder zu 100 % nach der Wohnfläche abzurechnen.

Beide Varianten habe ich mal durchgerechnet.

Variante 1 – Schätzung ergab für Wohnung 1 einen Verbrauch ca. 7.300 Einheiten für 12 Monate und für Wohnung 2 für den 1 Monat 175 Einheiten.
Am Ende kam für die 2 aktuellen Mieter eine geringfügige Nachzahlung, 20 bzw. 35 €, und für den Ausgezogenen sogar ein Guthaben von etwa 35 € raus.

Jetzt das große ABER, darf ich die Werte von lediglich 2 Nutzungsmonaten, dazu Heizmonate, des Vorjahres als Grundlage der Schätzung verwenden?

Abrechnung nach Variante 2 ergab für die 2 aktuellen Mieter ebenfalls eine geringfügige Nachzahlung, für den Ausgezogenen jedoch eine Nachzahlung von etwa 160 €.

Der erschlägt mich. Hat er die Wohnung doch nur bis Mitte Oktober tatsächlich bewohnt.

Etwas ratlose Grüße von anitari

Verstoß melden

Fragen zur Miete?

Ein erfahrener Anwalt im Mietrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten

Nicht genau ihre Frage? Wir haben 35 weitere Fragen zum Thema
defekte


4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
werner_r
Status:
Student
(2141 Beiträge, 469x hilfreich)

Zerbrich dir doch nicht den Kopf.
Der Ablesedienst macht das schon richtig - es wird schliesslich nicht der erste defekte Verteiler in Deutschland sein.

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
Lolle
Status:
Student
(2379 Beiträge, 1242x hilfreich)

Hallo Anitari!

Wenn für "den Ausgezogenen" Nutzungszeit Jan-Nov eine Nachzahlung herauskommt, dann ist m.E. etwas faul (umso mehr wenn er Mit-Okt bis End-Nov gar nicht mehr bewohnt hat *), denn durch den fehlenden Heizmonat Dez=160GTZ und die 11/12 Vorauszahlungsmonate wäre ein Guthaben zu erwarten.
Rechnerische Betrachtung anteilige Nutzungszeit Jan-Nov bezogen auf 1 Jahr:
84% Heizkostenanteil aus 840/1000 Gradtagszahlen
92% Vorauszahlungen aus 11/12 Vorauszahlungsmonate
*gibt natürlich auch da Ausnahmen = Leute, die im Auszugstress vergessen die Heizkörper niedrig zu stellen und vielleicht dabei auch noch Fenster gekippt lassen, bevor sie dann die Wohnung für Wochen/Tage verlassen
Dazu beobachte ich regelmäßig, dass bei Nutzerwechseln im Winter erhöhter Heizungsverbrauch stattfindet. Ich erkläre mir das u.A. durch das viele rein+raus beim Auszug/Einzug, vermehrtes Lüften bei Streicharbeiten.

Die Schätzverfahren sind in HeizKostenV § 9a beschrieben. Kürzungsrecht nach § 12 HeizkostenV besteht bei einer Abrechnung nach § 9 a nicht.

Jetzt das große ABER, darf ich die Werte von lediglich 2 Nutzungsmonaten, dazu Heizmonate, des Vorjahres als Grundlage der Schätzung verwenden?
M.E NEIN - wegen der geschilderten Besonderheiten ist das direkte Vorjahr kein vergleichbarer Zeitraum.
http://www.bfw-gohl.de/wiki/gesetze-hkvo/schaetzungen
http://www.heizkostenverordnung.de/par9a.php

Ich würde eine ältere Abrechnung mit vollem Nutzungszeitraum dazu hernehmen (bestenfalls sogar mehrere Jahre).
Bei nur einem ausgefallenen Heizkostenverteiler: Zuerst den anteiligen Verbrauch des ausgefallenen Zählers am Gesamt-Wohnungsverbrauch im vergleichbaren Zeitraum ermitteln. Über den errechneten Prozentanteil kann dann der Verbrauchswert des ausgefallenen Zählers für das aktuelle Abrechnungsjahr berechnet werden. Den Jahresverbrauchswert dann erforderlichenfalls über die GTZ-Tabelle anteilig auf die Nutzungszeiten der verschiedenen Nutzer verteilen.

Falls Dich dennoch einer erschlagen will:
Die Heizkostenverteiler sind dem Nutzer jederzeit zugänglich, nicht aber dem Vermieter.
Der Nutzer hätte also einen Geräteausfall jederzeit bemerken und dem Vermieter zeitnah anzeigen (123recht.net Tipp: Strafanzeige stellen ) können.
Hat er das nicht getan, dann muss er halt mit den sich dadurch möglicherweise ergebenden Nachteilen leben.

Signatur:Es hilft nichts,das Recht auf seiner Seite zu haben.Man muss auch m.d. Justiz rechnen - D Hildebrand
2x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Anitari
Status:
Student
(2018 Beiträge, 998x hilfreich)

Zitat (von werner_r):
Zerbrich dir doch nicht den Kopf.
Der Ablesedienst macht das schon richtig - es wird schliesslich nicht der erste defekte Verteiler in Deutschland sein.

Was für ein Ablesedienst?

Ich mach das alles selbst, auch die Abrechnung.

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
Anitari
Status:
Student
(2018 Beiträge, 998x hilfreich)

Danke Lolle für die ausführliche Antwort.

Zitat (von Lolle):
Ich würde eine ältere Abrechnung mit vollem Nutzungszeitraum dazu hernehmen (bestenfalls sogar mehrere Jahre).


Auf die Schnelle habe ich eine alte Abrechnung dieser Wohnung mit komplettem Nutzungszeitraum = Abrechnungszeitraum gefunden. Die damaligen Mieter hatten einen Verbrauch von 9367 Einheiten. Waren allerdings Rentner. Also auch tagsüber fast immer zu Hause.

Da kommen mir die, anhand des Vorjahresverbrauchs, geschätzten 7.300 Einheiten doch recht realistisch vor.

Zitat (von Lolle):
Falls Dich dennoch einer erschlagen will:
Die Heizkostenverteiler sind dem Nutzer jederzeit zugänglich, nicht aber dem Vermieter.
Der Nutzer hätte also einen Geräteausfall jederzeit bemerken und dem Vermieter zeitnah anzeigen können.


Ich kann mir nicht vorstellen wie Mieter bemerken sollten das die Dinger nicht mehr funktionieren.

Noch eine Ergänzung zu meiner Frage, wenn der Mieter der Wohnung 1 tatsächlich so wenig geheizt hat, wie er übrigens selbst behauptet, hätte der Gasverbrauch ja deutlich weniger als im Vorjahr sein müssen. Ist er aber nicht. Ist fast gleich. Außerdem gibt er an das die Heizkörper selbst bei niedrigster Stufe noch heiß sind.

Aber gut, um den technischen Teil kümmert sich in den nächsten Tagen die Heizungsfachfirma.

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 20€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

Jannis Geike Denise Gutzeit Nicolas Reiser Felix Hoffmeyer Richard Claas
Ja, jetzt Anwalt dazuholen

Die wichtigsten Probleme im Mietrecht
Die Antworten findet ihr hier:


Die wichtigsten Probleme im Mietrecht

Kündigung, Renovierung, Nebenkosten, Mieterhöhung und mehr - die häufigsten Probleme zwischen Mieter und Vermieter / Das Mietrecht regelt das Mietverhältnis vom Mietvertrag bis zur Kündigung und dem Auszug des Mieters. Der Vermieter überlässt „sein Eigentum“ an den Mieter... mehr