Das Wahlrecht in Deutschland

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Erst- und Zweitstimme

Das deutsche Wahlrecht enthält sowohl Elemente einer Verhältnis- als auch einer Mehrheitswahl, daher auch der Name "personalisiertes Verhältniswahlrecht". Bei einer derartigen Wahl sind zwei Stimmen nötig, die hier am Beispiel der Bundestagswahl erklärt werden.

  • Die Erststimme

    Die Erststimme trägt dem personalisierten Teil des deutschen Wahlrechts Rechnung. Der Wähler bestimmt damit einen Direktkandidaten aus dem Wahlkreis, in dem er seine Stimme abgibt.

    Deutschland ist entsprechend dem Bundeswahlgesetz in 299 Wahlkreise unterteilt, die in etwa die gleiche Einwohnerzahl aufweisen. Die Bevölkerungszahl eines Wahlkreises soll vom Durchschnitt um nicht mehr als 15 Prozent abweichen. Tritt eine Abweichung von mehr als 25 Prozent auf, muss zwingend eine Neuabgrenzung vorgenommen werden. Aus jedem dieser Wahlkreise erhält derjenige Kandidat ein Direktmandat im Bundestag, der eine einfache Mehrheit an Erststimmen verbuchen kann. Er wird folglich durch eine Mehrheitswahl bestimmt.

  • Die Zweitstimme

    Mit der Zweitstimme wählt der Wähler eine Partei bzw. deren Landesliste. Hierbei geht man nach den Grundsätzen einer Verhältniswahl vor. Der deutsche Bundestag besteht aus 598 Sitzen. Jeder Sitz steht für ein Mandat. Diese Mandate werden nach einem ganz bestimmten Rechenverfahren (Hare-Niemeyer-Verfahren) auf die Parteien verteilt, die die Fünf-Prozent-Hürde überwunden haben. Grundsätzlich erhält jede Partei den Anteil an Sitzen, der ihrem Anteil an Zweitstimmen entspricht.

    Nun kommt den Landeslisten Bedeutung zu: Jede Partei erstellt vor der Wahl in jedem Bundesland eine derartige Liste, auf der ihre Kandidaten festgelegt sind. Auf der Basis der in den Bundesländern errungenen Zweitstimmen werden die einer Partei zustehenden Bundestagssitze auf die Landeslisten verteilt (Hare-Niemeyer-Verfahren). Diese Mandate besetzen zunächst die gewählten Direktkandidaten. Bleiben dann noch Sitze übrig, werden die Listenkandidaten berücksichtigt. Der Kandidat, der an erster Stelle in der Liste steht, wird zuerst bedient, dann kommt der zweite auf der Liste, dann der dritte etc. Das geht so lange, bis alle Sitze der Partei belegt sind. Die Kandidatenreihenfolge auf der Liste ist daher im Vorfeld einer Wahl meist schwer umkämpft.

Viele Kandidaten sind sowohl Listen- als auch Direktkandidat. So haben sie die Chance, noch über die Liste ein Mandat zu erhalten, wenn sie ihren Wahlkreis nicht gewinnen sollten.
Erringt eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate, als ihnen nach den Zweitstimmen Sitze zustehen, wird die Landesliste überhaupt nicht mehr berücksichtigt. Die gewählten Direktkandidaten ziehen allerdings alle in den Bundestag ein. Dann entstehen Überhangmandate. Die Gesamtzahl der Abgeordneten geht dann entsprechend über 598 hinaus.

Bei der Bundestagswahl 1998 bestanden teilweise noch andere Regelungen, was die Zahl an Wahlkreisen bzw. Abgeordneten im Bundestag betrifft. Bei der Wahl 2002 kommen die aktuellen Regelungen erstmals zur Anwendung.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Das Wahlrecht in Deutschland
Seite  2:  Das objektive Wahlrecht
Seite  3:  Das subjektive Wahlrecht
Seite  4:  Erst- und Zweitstimme
Seite  5:  Überhang- und Ausgleichsmandate
Seite  6:  Die Fünf-Prozent-Klausel
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