Das Unterlassungsdelikt

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Kausalität beim Unterlassungsdelikt

Selbstverständlich muss das Nichtstun den Erfolg verursachen. Erfolg bedeutet, dass jemand einen Straftatbestand erfüllt, d.h. beim Totschlag ist der Erfolg eingetreten, wenn das Opfer stirbt.
Im "Normalfall", d.h. wenn jemand eine Straftat durch aktives Tun begeht, wird die Ursächlichkeit durch die condicio-sine-qua-non- Formel bestimmt. Der Täter ist dann für den Erfolg ursächlich geworden, wenn seine Handlung nicht hinweggedacht werden kann, ohne dass der Erfolg entfiele.
Der Dreh am Unterlassungsdelikt liegt aber darin, dass der Täter auf eine im Gang befindliche Kausalkette eben nicht einwirkt. Die Formel wird nun abgewandelt.
Der Erfolg ist dann verursacht, wenn die gebotene Handlung höchstwahrscheinlich dazu geführt hätte, dass der Erfolg nicht eingetreten wäre. Ein Beispiel:

Mutter Inge weigert sich, ihre Kinder Nina und Tina bei einem starken Brand aus dem zweiten Stock in die Arme von Helfern zu werfen. Beide verbrennen. Die Kinder hätten den Sturz mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überlebt.
Hier ist die Kausalität der Mutter für den Tod der Kinder gegeben. Nina und Tina wären nicht gestorben (Erfolg entfiele), wenn Inge sie geworfen hätte (hinzugedachte Handlung).
Inge, Nina und Tina befinden sich beim Brand im achten Stock.

So wäre der Tod der Kinder höchstwahrscheinlich ohnehin eingetreten. Die Handlung könnte hinzugedacht werden, der Erfolg entfiele aber nicht. Inge hätte den Tod nicht verursacht.
Es kann aber auch nur die Handlung gefordert werden, die dem zur Schadensabwendung Verpflichteten real möglich ist. Man kann also nicht von einem Nichtschwimmer erwarten, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen, genau wie es als unzumutbar gilt, dass eine Frau auf Krücken durchs Feuer in den achten Stock hechten soll, um den auf der Balkonbrüstung stehenden Enkel zu retten.
Ob eine Strafbarkeit vorliegt, kommt also wie immer sehr auf die konkreten Umstände in der gegebenen Situation an.

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Seite  1:  Das Unterlassungsdelikt - Worum es geht
Seite  2:  Die Einstandspflicht für den Nichteintritt eines Schadens - die Garantenstellung
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