Das Leben nach dem Scheitern

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Strafrecht Rubrik, Sanierung, Neustart, Haftung, Berater

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Nicht Ächtung, sondern Sanierung und Neustart

Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Stuttgart ermittelt derzeit in ca. 1000 Fällen wegen Insolvenz- und Wirtschaftsstrafsachen, darunter auch gegen Anton Schlecker und die Geschäftsführer der Schleckerunternehmen wegen des Verdachts der Untreue, Insolvenzverschleppung und des betrügerischen Bankrotts.
Schleckers private Villa und Geschäftsräume wurden durchsucht.
Ob es zu einem Strafprozess oder einer Verurteilung kommt, ist noch unklar.

Nachfolgend einige Anmerkungen und Tipps zur Haftungsvermeidung, Sanierung und Kultur des Scheiterns.

Hermann Kulzer
seit 2008 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenzrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Glashütter Straße 101a
01277 Dresden
Tel: 0351 8110233
Tel: 0351 8110234
Web: www.pkl.com
E-Mail:
Mediation, Wirtschaftsrecht
Preis: 150 €
Antwortet: ∅ 16 Std. Stunden

1. Rechtsform beachten

Anton Schlecker betrieb den wesentlichen Teil seines 37 Jahre alten Unternehmens mit 3.200 Filialen und 13.000 Mitarbetiern in der Rechtsform des "Eingetragenen Kaufmanns". Er haftet daher nicht beschränkt auf das Vermögen der Gesellschaft, sondern mit seinem gesamten Vermögen – privat und geschäftlich. Das gesamte Vermögen ist Insolvenzmasse.

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2. Qualifizierte Beratung erforderlich

Anton Schlecker war angeblich kein Freund von Banken und Beratern. Es setzte auf sein eigenes Wissen und seine Eingebung und ignorierte viele Ratschläge.

Tipp: In besonderen Situationen bedarf es aber besonderer Kenntnisse und besonderer Berater. Deren Ratschläge muss man beachten und umsetzen.

3. Schutz der Familie vor anfechtbaren Handlungen

In jedem Insolvenzverfahren muss der Insolvenzverwalter/Sachwalter prüfen, ob Rechtshandlungen des Schuldners anfechtbar sind gemäß §§ 129 ff. InsO.

Besonders einfach sind Schenkungen innerhalb der letzten vier Jahre an nahe Angehörige oder verbundene Unternehmen anzufechten, gemäß § 134 InsO.

Bei vorsätzlicher Benachteiligung können Rechtshandlungen sogar bis zu 10 Jahre zurück gemäß § 133 InsO angefochten werden.

Die Schleckerfamlie hat laut Presseberichten dem Insolvenzverwalter einen Vergleichsvorschlag unterbreitet zwischen 5 bis 10 Millonen Euro (Sächsische Zeitung vom 3. Juli 2012 S. 20).

Tipp: Vermögensverfügungen an Angehörige sind nicht illegal. Sie dürfen aber nicht in der Krise, sondern müssen in guten Tagen erfolgen - außerhalb einer Krise und des möglichen Anfechtungszeitraums.

4. Schutz vor strafrechtlicher Verurteilung

In vielen Fällen werden Unternehmer und Manager wegen Insolvenzstraftaten verurteilt.

Sie haben nicht rechtzeitig gehandelt. Es muss daher gerade in der Krise Rat eingeholt werden.

Soweit tatsächlich Ermittlungen eingeleitet werden, nützt ein Starverteidiger, der sich auf Mord und Totschlag spezialisiert hat, nicht viel. Sich selbst zu verteidigen, weil man ein gutes Gewissen hat, ist meist fatal, da man keine Spezialkenntnisse hat. 

Tipp: Wer zu spät die Insolvenz einleitet, begibt sich in strafrechtliche Gefahr und gefährdet die Sanierung. Qualifizierte Wirtschaftsstrafverteidiger sind notwendig - schon im Ermittlungsverfahren.

5. Nebenfolgen von Verurteilungen berücksichtigen

Wer als Geschäftsführer z.B. wegen Bankrotts verurteilt wird, darf über Jahre nicht mehr Geschäftsführer sein. Ferner kann dem Geschäftsführer, der aus Bürgschaften unter Umständen haftet und dies nicht erfüllen kann, die Restschuldbefreiung versagt werden.

Tipp: Strafbarkeit auf jeden Fall vermeiden.

6. Sanierungschancen nutzen

Seit dem 01.03.2012 ist durch das Gesetz zur Erleicherung der Sanierung von Gesellschaften (ESUG) die Sanierung mittels Eigenverwaltung und Insolvenzplan erheblich verbessert worden.
Ziel des Gesetzgebers war, dass die Geschäftsführer und Manager rechtzeitig die Insolvenz einleiten, damit die Chancen der Sanierung bestmöglich gewahrt werden können.

Tipp: Eigenverwaltung und Insolvenzplan sind Werkzeuge der Sanierung, die perfekt eingesetzt werden müssen. Daher sich um Hilfe durch Fachanwälte kümmern.  

7. Das Leben nach dem Scheitern

Adolf Merckle hat sich, als seinem Traditionsunternehmen mit 100.000 Mitarbeitern die Pleite drohte, das Leben genommen. Er hat die Schande nicht verwunden. 

Die Insolvenzkultur hat sich aber geändert.

Wer einmal scheitert, ist nicht automatisch kriminell oder unfähig. Es ist keine Schande zu scheitern.

Das deutsche Insolvenzrecht bietet- wie in den USA- den Schuldnern und schuldnerischen Unternehmen eine Sanierungschance, einen zweiten Weg, einen Neustart.

Die frühere Ächtung von Schuldnern, bei der Zahlungsunfähige an den Pranger gestellt wurden, stammt aus dem Mittelalter und ist überholt. 

Tipp:  In der Krise oder Insolvenz gibt es Chancen und Perspektiven zur Erhaltung und zum Neustart. Wer jetzt rechtzeitig die richtigen Schritte veranlasst, kann sein Unternehmen erhalten und erhält eine neue Chance mit einer klaren Perspektive.

8. Kultur des Scheiterns

Das Denken muss sich bei vielen noch ändern:

Fehlschläge passieren!
Versuch und Irrtum (trial and error) sind normale Vorgänge der Marktwirtschaft.

Ich stehe Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung.


Hermann Kulzer MBA
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Insolvenzrecht
Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Wirtschaftsmediator (Dresden International University)
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Rechtsanwalt
Hermann Kulzer
Fachanwalt für Insolvenzrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Dresden
Guten Tag Herr Kulzer,
ich habe Ihren Artikel " Das Leben nach dem Scheitern" gelesen und würde darüber gerne mit Ihnen sprechen.
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Leserkommentare
von Wischnek am 23.07.2012 14:41:59# 1
Interessanter und prinzipiell guter Artikel. Allerdings ist Tipp 2 eine unzulässige Verallgemeinerung. Im Zusammenhang mit Insolvenzen, da stimme ich zu, wird externe Hilfe häufig zu spät oder gar nicht in Anspruch genommen. Prinzipiell fuhren und fahren viele erfolgreiche Unternehmer mit einem gesunden Misstrauen gegenüber der Beratungsbranche sehr gut. Im Fall Schlecker ist der Begriff "beratungsresistent" sicher angebracht. Herr Mappus in seiner Funktion als Unternehmer hingegen hatte unstrittig schlechte Berater, und es handelt sich nicht um einen Einzelfall.
    
von Rechtsanwalt Hermann Kulzer am 23.07.2012 20:38:57# 2
Klar ist, dass man vor der Beratung den Umfang und die Kosten klären muss. Viele mittelständische Unternehmer investieren ohne große Prüfungen und Vergleiche hohe Summen in das Marketing. In die Risikovorsorge und Prävention wird nichts oder wenig investiert. Der Fall Mappus ist mit Schlecker nicht vergleichbar. Mappus hat ja nicht eigenes Vermögen verspielt.
    
von Vonnichts am 26.07.2012 23:03:28# 3
Kultur des Scheiterns-Das Denken MUSS sich bei SEHR VIELEN ÄNDERN !! Ich bin NUR ein Insolvenz-Rentner, 72 Jahre .Aber von Chancen und Neustart zu schwafeln ist im Angesicht von 6 Jahren Inso + noch 2 Jahre SCHUFA -Eintrag ein glatter Hohn !!Versuchen Sie mal eine Wohnung OHNE eine "SELBSTAUSKUNFT " zu bekommen??Die Selbstauskunft ist zwar nicht erlaubt - wird jedoch landauf -landab gefordert - auch wenn man die Miete und Lebenshaltungskosten ohne Probleme begleichen kann.Ich erfahre seit 1 1/2 Jahren nur Ablehnungen ,wegen der" schwarzen Schufa-Weste" . Verschweigt man die Inso ,macht man sich strafbar ;steht man zur Inso - gibt es keinen Wohnraum !!Ist man ergo gezwungen im Container auf einem Campingplatz zu wohnen ?? Herr Schlecker hat Fehler gemacht - ABER ich glaube nicht ,daß er sich Sorgen über geeigneten Wohnraum machen muss !! Ich bin völlig frustriert !!
    
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