
Statt eines schwarzen Helms hat er diese schnieke Frisur, sein Todesstern ist das Silicon Valley und anstelle des Lichtschwerts fuchtelt er mit Milliarden und Monopolen rum. Die Rede ist von Bill Gates, dem Darth Vader der Software-Branche, der seine Hände nach dem absoluten Monopol auf dem Softwaremarkt ausstreckt. Nun plant er seinen nächsten Coup. Im Streit um die von der EU-Wettbewerbskommission verhängte Geldstrafe stellt sich das Unternehmen um Bill Gates quer. Microsoft zieht vor den Kadi des Europäischen Gerichts Erster Instanz, um gegen die Entscheidung der wackeren Kartellritter und Wettbewerbsrebellen anzugehen.
Die Wettbewerbskommission hatte im März eine Geldstrafe in Höhe von 497 Millionen Dollar gegen Microsoft verhängt und den Konzern angewiesen, ihr Betriebssystem Windows auch ohne den Media Player auszuliefern, um den Wettbewerb wieder zu beleben. Dazu muss Microsoft seinen Mitbewerbern auf dem Markt der Betriebssysteme die Zusammenarbeit erleichtern, damit diese ihre Systeme kompatibel machen können.
In seiner Begründung der Berufung argumentiert das Gates-Imperium, dass die Auflagen Hemmnisse für die Forschung und Entwicklung innovativer Unternehmen darstellten. Dabei ist es genau das, was Wettbewerbskommissar Mario Monti dem Softwareriesen vorwirft. Microsoft würde mit seinem Beinahe-Monopol die wirtschaftliche Entwicklung von Konkurrenzanbietern untergraben, hatte die Kommission ihre Entscheidung vom März begründet.
Die kleine Schar der Kartellritter steht der Armee von Anwälten des Multi-Milliarden-Dollar-Konzerns gegenüber wie einst David dem Philister Goliath. Microsoft einigt sich mit immer mehr potentiellen Klägern und Verbündeten der Wettbewerbskommission. Mit Finanzspritzen und gezielten Technologietransfers werden die Gegner des Konzerns aus dem Lager der EU-Kommission gelockt. Damit verlieren die Wettbewerbshüter kostbare Mitstreiter, auf deren Expertisen und Fachkenntnisse sie angesichts ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit angewiesen sind. Eine großzügige Zahlung hatte im April auch Sun-Microsystems, den Hauptkläger vor der EU-Wettbewerbskommission, dazu bewogen, der Linie von Bill Gates zu folgen.
Angesichts seiner immensen Kriegskassen könnte Gates die Geldstrafe ohne ein Wimpernzucken begleichen, aber er wäre nie dort angekommen, wo er jetzt ist, wenn er zu Eingeständnissen bereit gewesen wäre. Voraussichtlich werden die von der Wettbewerbskommission verhängten Auflagen durch das Europäische Gericht für die Dauer der Berufung wieder ausgesetzt. Das wäre ein weiterer Teilsieg für den Softwaregiganten. Möglicherweise endet die Geschichte damit wie ein Buch von Frank Goosen. Es hat kein gutes und kein schlechtes Ende, das ist nicht klar definierbar, vielleicht gibt es noch nicht mal wirklich ein Ende.
