400.329
Registrierte
Nutzer
 www.123recht.net » Unterhaltung » Das Recht in der Geschichte » Cromwell und der englisch...

Cromwell und der englische Bürgerkrieg

7.6.2004 | Unterhaltung - Das Recht in der Geschichte | 26737 Aufrufe
Mehr zum Thema:

Cromwell, England, Bürgerkrieg

Cromwell und der englische Bürgerkrieg

Als England die Republik entdeckte

Auf ihre Königsfamilie lassen die Engländer nichts kommen, auch wenn deren Schmutzwäsche diesseits und jenseits des Kanals die Boulevardblätter füllt. Kaum jemand weiß jedoch, dass die Engländer die Ersten waren, die der Königsherrschaft eine klare Absage erteilten, als sie im 17. Jahrhundert die ersten Schritte auf dem noch jungen Terrain der Republik wagten.

Als Königin Elisabeth I. 1603 das Zeitliche segnete, endete die Glanzzeit des elisabethanischen Englands. Die Königin hatte die brachliegende Wirtschaft wieder belebt und der Sieg der englischen Flotte über die Spanische Armada ließ das Land zur Seemacht werden. Die Nachfolge auf dem Thron trat James VI. von Schottland an, der Sohn von Maria Stuart, die Elisabeth 1587 als angebliche Verschwörerin hinrichten ließ. Schottlands Monarch regierte fortan als James I. England und Schottland in Personalunion. Er hatte starke absolutistische Neigungen. Seine Herrschaft sollte jedoch weitgehend farblos bleiben, denn ihm trat das erstarkende englische Parlament entgegen, dessen Einwilligung er für neue Steuern oder Gesetze brauchte.

Ein Parlament gab es in Englands Hauptstadt London schon seit 1367. Es gliederte sich in zwei Kammern: dem House of Commons (Unterhaus), in dem die Bürgervertreter saßen, und dem House of Lords (Oberhaus), das mit Adligen besetzt war. Ursprünglich diente das Parlament nur der zentralisierten Erfassung der Steuerzahlungen. Erst im Laufe der Zeit, als immer mehr Juristen und Verwaltungsbeamte Mitglieder des Parlaments wurden, entwickelte es sich zu einer selbstbewussten Volksvertretung, die auch auf die politischen Geschicke Englands Einfluss nehmen konnte. Neue Steuern mussten grundsätzlich vom Parlament abgesegnet werden, selbst Gesetzesvorschläge kamen aus den Reihen der Volksvertretung.

Vom Regen in die Traufe

1625 folgte Charles Stuart seinem Vater James als Charles I. auf den Thron. Charles stand dem Katholizismus sehr nahe, obwohl der ungefähr ein Jahrhundert zuvor auf Bestreben von Henry VIII. vom protestantischen Anglikanismus verdrängt worden war. Als er die katholische Prinzessin Henrietta Maria von Bourbon aus Frankreich ehelichte, stieß er im englischen Volk auf breite Ablehnung, denn dort herrschte mittlerweile der Puritanismus vor, eine fundamentalistische Form des Protestantismus. Auch im ebenso puritanisch dominierten Parlament machte sich Charles I. wenig Freunde. Er erhob Steuern ganz nach Gutdünken ohne die Einwilligung des Parlaments einzuholen, das er nach Belieben auflöste und wieder zusammentreten ließ. Parlamentarier, die nach mehr Souveränität verlangten, ließ er rigoros verhaften.

Zwischen 1629 und 1640 gab es gar keine Volksvertretung. Charles Stuart regierte an der Spitze eines Triumvirats als absolutistischer Herrscher, zusammen mit Thomas Wentworth, dem Earl of Strafford, der ein straffes Verwaltungssystem aufbaute, und dem Erzbischof William Laud. Charles berief die so genannte Sternkammer ein, die als weltliche Gerichtsbarkeit fungierte. Ein klerikales Gericht übernahm die kirchliche Rechtsprechung. Absolutistische Willkür war dabei nicht selten. Charles protegierte den Katholizismus und Laud näherte die Anglikanische Kirche wieder der Katholischen an. Die Puritaner hatten unter Charles nichts zu Lachen. Viele schifften sich nach Amerika in die Neue Welt ein und sollten später als die Pilgerväter bekannt werden.

Der König schaufelt sein Grab

1640 beging Charles den fatalen Fehler, den Anglikanismus auch nach Schottland tragen zu wollen, wo sich mittlerweile der Presbyterianismus etabliert hatte, eine Abart des Protestantismus, dessen Anhänger aber gemäßigter als die Puritaner waren. Die Schotten setzten sich zur Wehr und marschierten in England ein. Charles brauchte dringend Geld, um sich gegen die Bedrohung aus dem Norden zu verteidigen und fühlte sich dadurch genötigt, auf das Parlament zurückzukommen. Sein Plan, die Volksvertretung zu einer neuen Steuererhöhung zu gängeln, scheiterte. Die puritanischen Abgeordneten waren sich Charles misslicher Lage bewusst und verhielten sich widerspenstig, um den König zu Zugeständnissen zu zwingen. Sie forderten 1641 von Charles, die Unantastbarkeit des Parlaments gegen Auflösungen zu garantieren und das parlamentarische Prinzip „no taxation without representation“ - keine Steuern ohne Zustimmung des Parlaments – anzuerkennen.

Nachdem Charles sich des öfteren seines Parlaments entledigt hatte, sollten die Dinge diesmal eine drastische Wende nehmen. Die puritanischen Parlamentarier erweiterten ihren Forderungskatalog und veranlassten die Hinrichtung Thomas Wentworths wegen angeblichem Hochverrats. Charles ließ die Exekution seines engsten Gefolgsmanns tatenlos geschehen. Als er jedoch versuchte, den Führer der aufmüpfigen Abgeordneten, John Pym, und seine Getreuen verhaften zu lassen, kommt es zum Aufstand. Der König flieht aus London. Das Parlament rief eine eigene Regierung aus und hielt das Volk zum Ungehorsam gegen Charles an. In dem Wissen, dass die Machtübernahme durch die Volksvertretung nicht kampflos über die Bühne gehen wurde, verbündeten die Parlamentarier sich mit den Schotten und machten sich daran, eine eigene Armee aufzustellen.

Der englische Bürgerkrieg

1642 bricht der englische Bürgerkrieg aus. Nachdem die britische Insel vom Dreißigjährigen Krieg unbehelligt geblieben war, hatte sie nun ihren eigenen bewaffneten Konflikt, in dem es ähnlich wie auf dem Kontinent um Glaubensfragen und machtpolitische Interessen ging. Anfänglich gewannen die königlichen Truppen die Oberhand. Mit ihren Siegen in offenen Feldschlachten 1644 bei Marston Moor und 1645 bei Naseby rissen die Parlamentarier jedoch das Ruder zu ihren Gunsten herum. Besonders verdient machte sich dabei der puritanische Abgeordnete Oliver Cromwell, der nach Erfolgen mit seiner eigenen Kavallerieeinheit später die parlamentarische New Model Armee schuf und deren Kavallerie befehligte. Auf die schlagkräftige Einheit berittener Schwertkämpfer (Dragoner) und Musketenschützen ging auch der Sieg bei Naseby zurück.

1647 wurde Charles I. von den Schotten gefangen gesetzt und an die Engländer ausgeliefert. Im Angesicht des Triumphes entbrannte der erste Zwist zwischen den Revolutionären. Die gemäßigten presbyterianischen Kräften im Parlament waren dem puritanischem Radikalismus der Armee abgeneigt. Cromwell wandte sich daraufhin gegen das Parlament und schloss alle gemäßigten Mitglieder aus. Dann erklärte er sich zum Souverän und verlieh sich selbst den Titel des Lordprotektors. Der Gefangene Charles I. beharrte weiter auf seiner Herrschaft „von Gottes Gnaden.“ Das Problem, dass es nun zwei auf die eine oder andere Weise legitimierte Herrscher gab, konnte schnell gelöst werden. Charles I. wurde wegen Hochverrats der Prozess gemacht. Am 30. Januar 1649 wurde ihm von seinem Henker der Kopf vor die Füße gelegt.

England war nun endgültig eine Republik, an deren Spitze Oliver Cromwell mit seinem Kabinett stand. Das Land bekam den Namen Commonwealth, aber nie eine endgültige Verfassung. Cromwell entließ sein Kabinett 1653 wieder und verlor mit der Zeit jeden Sinn für Verhältnismäßigkeit, was seiner Herrschaft nach und nach die Züge einer Militärdiktatur verlieh, auch wenn er die Krone ablehnte. Mit dem Tod des Despoten 1658 endete die Ära des republikanischen Commonwealth.

Die Nachwehen der Republik

England schien für die Republik noch nicht bereit zu sein. Nach den schlechten Erfahrungen unter Cromwell gestatteten sich die Engländer wieder einen König und holten Charles Stuarts gleichnamigen Sohn aus dem französischen Exil. Er wurde 1660 als Charles II. inthronisiert und stellte sich als fähiger Herrscher heraus. Als sein Bruder James II. ihm auf dem Thron folgte, beging er aber die gleichen Fehler wie sein Vater und versuchte den Katholizismus wieder in England zu verbreiten.

Den Engländern schmeckte das überhaupt nicht, sie bestanden auf den Protestantismus. Mittlerweile geübt darin, Könige abzusägen, holten sie sich James protestantischen Schwiegersohn, Wilhelm von Oranien, ins Land. Damit schufen sie die Grundlage für das Zwei-Parteien-System im Parlament. Es spaltete sich in die Tories, die Wilhelm nur als Stellvertreter des rechtmäßigen Königs James II. anerkennen wollten und die Whigs, die für den legitimen Herrscher hielten, wer immer gerade auf dem Thron saß. Diese Bezeichnungen für die Parteien haben sich bis heute erhalten.

Neue Ufer

Die Whigs behielten die Oberhand und Wilhelm wurde die Krone aufgesetzt. Vorher musste er jedoch eine Verfassung unterzeichnen, die dem Parlament seine Souveränität garantierte. Unter anderem waren mit der englischen „Bill of Rights“ die freien Wahlen des Parlaments und die Redefreiheit abgesichert. Das Prinzip „no taxation without representation“ wurde nun endgültig gesetzlich verankert. Gesetze und Steuern durften nicht mehr ohne die Konsultierung des Parlaments in Kraft treten.

So etablierte sich in England eine konstitutionelle Monarchie. In dieser Periode erlebte England einen rapiden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwung. Die häufige Abwesenheit Wilhelms, die mangelnde Kompetenz seiner Nachfolgerin Anne und die unzureichenden Sprachkenntnisse Georg von Hannovers stärkten den Einfluss des Parlaments. Die Könige wurden häufig durch einen Minister vertreten, wodurch sich das spätere Amt des Premierministers entwickelte.

Quellen: wikipedia.org, wissen.de, Dietrich Schwanitz: Bildung



Leserkommentare
123recht.net ist Rechtspartner von:

400329
registrierte
Nutzer

durchschnittl. Bewertung

125539
beantwortete Fragen
20
Anwälte jetzt
online
Andere Websites zum Thema

Mehr Infos auf wikipedia.org