Chinesischer Milchaktivist bedauert angeblich Proteste
AFP VOM 29.12.2010 | Nachrichten - Allgemein | 1238 Aufrufe Mehr zum Thema:Milchpulver, China
Zhao angeblich aus gesundheitlichen Gründen aus Haft entlassen
Der nach Protesten über verseuchtes Milchpulver inhaftierte chinesische Aktivist Zhao Lianhai ist nach eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig freigelassen worden. Er werde derzeit im Krankenhaus behandelt und wolle niemanden sehen, schrieb der im November zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilte Familienvater am Mittwoch in seinem Internet-Blog. Gleichzeitig bedauerte er seine Proteste. Zhaos früherer Anwalt Li Fangping konnte die Freilassung zunächst nicht bestätigen. Zhao selbst und seine Frau waren nicht erreichbar, ihre Handys abgeschaltet. Der Anwalt vermutete, der 38-Jährige könnte zu seinen Äußerungen gezwungen worden sein.
"Ich erkenne die von der Justiz gegen mich verhängte Strafe an und hoffe, dass andere nicht mehr zu viel über dieses Thema reden", hieß es auf Zhaos Blog weiter. Zhao hatte sich nach dem Skandal um mit Melamin verseuchtem Milchpulver, an dem vor zwei Jahren auch sein eigenes Kind erkrankte, für eine Entschädigung der rund 300.000 Opfer eingesetzt. Er wurde im Dezember 2009 verhaftet und im November wegen Störung der öffentlichen Ordnung verurteilt. Zunächst kündigte er Berufung an, dann aber entließ er überraschend seine Anwälte.
In seinem Blog schrieb er nun, er bedauere seine "extremistischen Ansichten". Er hoffe, dass es so bald wie möglich ruhig um seinen Fall werde. Dies werde "dem Land und der Gesellschaft ebenso wie meiner Familie" nutzen. Zhaos Anwalt Li bezweifelte, dass sein Mandant das Schreiben freiwillig verfasst hat. "Selbst wenn er dies geschrieben hat, denke ich, dass er es unter Druck getan hat", sagte Li der Nachrichtenagentur AFP. Die Erklärung gebe die Haltung der Behörden wieder, "ich denke nicht, dass es seine eigene Meinung ist", sagte Li weiter.
29.12.2010 - 09:01 Uhr


