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Chef-Folterer der Roten Khmer gesteht Verbrechen ein - 2/2
AFP vom 31.03.2009   |   5508 Aufrufe   |   Rubrik: Nachrichten - International

Anklageschrift gegen Chef-Folterer der Roten Khmer verlesen

Anwalt kündigt Aussage von Duch im Lauf der Woche an

Im ersten Prozess zur Aufarbeitung des Pol Pot-Regimes in Kambodscha ist am Montag die Anklageschrift gegen den Chef-Folterer der Roten Khmer verlesen worden. Er sei mit den Vorwürfen - Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord - schon konfrontiert worden, sagte der 66-jährige Duch vor dem Sondertribunal in Phnom Penh. Sein Anwalt kündigte im Laufe der Woche eine Aussage seines Mandanten an.

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Der ehemalige Leiter des berüchtigten Gefängnisses Tuol Sleng (S21), in dem während der Herrschaft von Pol Pot zwischen 1975 und 1979 mehr als 15.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert oder hingerichtet wurden, begrüßte das Gericht nach kambodschanischem Brauch mit aneinandergelegten Händen und beantwortete die Fragen zu seiner Person. Vor seiner Verhaftung im Jahr 1999 habe er als Lehrer gearbeitet, sagte der Mathematiker, dessen eigentlicher Name Kaing Guek Eav lautet.

Duchs französischer Verteidiger François Roux sagte, sein Mandant werde die Gelegenheit zu einer Aussage nutzen und sich dabei auch an die Angehörigen der Opfer wenden. Der Angeklagte, der drei Jahre vor seiner Festnahme zum Christentum übertrat, hatte bereits vor dem Prozess eine Mitverantwortung eingestanden, aber betont, dass er nicht selbst Hand angelegt habe. Ihm droht eine lebenslange Haft. Die Todesstrafe darf das Sondertribunal nicht verhängen. Der Prozess hatte offiziell bereits am 17. Februar begonnen, damals waren aber nur Verfahrensfragen erörtert worden.




"Ich habe so lange auf diesen Moment gewartet", sagte Om Chantha, deren Mann unter dem Pol Pot-Regime umkam. "Ich bin so glücklich, dass Duch nun vor Gericht steht und wir Gerechtigkeit bekommen." Zahlreiche Betroffene standen Schlange vor den Toren des Gerichts, um ihren Peiniger auf der Anklagebank wieder zu sehen. Der Zuschauerraum war mit schussfestem Glas abgeschirmt, um Racheakte zu verhindern. Po Sarun, der während der Schreckensherrschaft zehn Angehörige verlor, sagte, er hoffe, dass Duch die Wahrheit über die Roten Khmer sage. "Lasst das Gericht entscheiden, ob ihm vergeben wird."

Nach Duch, dessen Prozess mehrere Monate dauern dürfte, müssen sich vier weitere Schlüsselfiguren der Roten Khmer vor dem Sondertribunal verantworten: der Chefideologe des Regimes, der heute 82-jährige Nuon Chea, Kambodschas früherer Staatschef, der heute 78-jährige Khieu Samphan, der 83-jährige ehemalige Außenminister Ieng Sary, sowie dessen Frau, die ehemalige "First Lady" und frühere Sozialministerin, Ieng Thirith, heute 76 Jahre alt.

Während der Schreckensherrschaft von Pol Pot, der 1998 starb, kamen in Kambodscha etwa zwei Millionen Menschen ums Leben, das entspricht einem Viertel der damaligen Bevölkerung. Sie starben an Hunger, Erschöpfung und in Gefängnissen oder wurden auf den so genannten "Killing Fields" hingerichtet, um die Utopie Pol Pots von einem post-kommunistischen Bauernstaat zu verwirklichen. 1979 wurden die Roten Khmer mit Hilfe vietnamesischer Truppen vertrieben. Das Land stürzte danach in einen langjährigen Bürgerkrieg.

30. März 2009 - 12.51 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


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