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Chef-Folterer der Roten Khmer gesteht Verbrechen ein - 1/2
AFP vom 31.3.2009   4272 Aufrufe    Leserwertung: 2,0 (1 User)
Rubrik: Nachrichten - International

Chef-Folterer der Roten Khmer gesteht Verbrechen ein

Duch bestreitet trotz Entschuldigung führende Rolle

In Kambodscha hat der Chef-Folterer der Roten Khmer vor Gericht die Verantwortung für seine Taten übernommen und um Verzeihung gebeten. "Ich möchte mich zu meiner rechtlichen Verantwortung bekennen", sagte der 66-jährige Duch am Dienstag vor dem Sondertribunal in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Gleichzeitig stritt Duch jedoch ab, zu den Hauptverantwortlichen des blutigen Regimes gehört zu haben.




Er bekenne sich zu seiner Schuld für die im Gefängnis Tuol Sleng (S-21) begangenen Verbrechen, besonders für die dortigen Fälle von Folter und Hinrichtungen, sagte Duch, der die berüchtigte Haftanstalt in Phnom Penh geführt hatte. In dem Gefängnis wurden während der Herrschaft von Pol Pot zwischen 1975 und 1979 mehr als 15.000 Männer, Frauen und Kinder gefoltert oder hingerichtet. Das Gericht wirft Duch, dessen eigentlicher Name Kaing Guek Eav lautet, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Folter und Mord vor.

Duch bat die Überlebenden und die Angehörigen der Opfer um Vergebung, nachdem die Anklage den grausamen Alltag und die Foltermethoden in dem Gefängnis beschrieben hatte. "Erlauben Sie mir, mich bei den Überlebenden des Regimes und den Hinterbliebenen derer zu entschuldigen, die während der Herrschaft brutal ums Leben gekommen sind", sagte er. "Ich bitte nicht darum, dass Sie mir jetzt vergeben, aber ich hoffe, dass Sie es später einmal tun werden." Der Prozess ist der erste zur Aufarbeitung des Pol Pot-Regimes in Kambodscha.

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Trotz seines Schuldbekenntnisses stritt Duch ab, zu den Hauptverantwortlichen des Regimes gehört zu haben. "Obwohl ich wusste, dass die mir erteilten Befehle kriminell waren, habe ich es nie gewagt, die höchsten Stellen zu hinterfragen", sagte der 66-Jährige. Das Wohlergehen seiner Familie sei ihm wichtiger als das Überleben der Häftlinge gewesen. Duch präsentierte dem Gericht eine selbstgezeichnete Kommandostruktur des Regimes, um seine angeblich untergeordnete Stellung zu belegen.

Duchs Anwalt sagte, sein Mandant sei ein "Sündenbock", der anstelle von knapp 200 anderen Gefängnisleitern vor Gericht stehe. Mit einer Verurteilung Duchs verfehle das Tribunal sein erklärtes Ziel, die Verantwortlichen des Regimes zur Rechenschaft zu ziehen. Der kanadische Ankläger Robert Petit sagte hingegen, das von Duch geleitete Gefängnis S-21 sei ein "grundlegender" Teil der Angriffe auf die kambodschanische Bevölkerung gewesen. Durch Duchs Befehle und "manchmal seine eigenen Hände" seien die Gefangenen seelischer und körperlicher Folter ausgesetzt worden.

Kambodschas Regierungschef Hun Sen kritisierte das Sondertribunal. Er befürworte ein Ende des Gerichts, sagte Hun Sen am Dienstag. Sollte es weitere Prozesse geben, werde wieder Krieg im Land beginnen. Hun Sen gehörte dem Regime auf unterer Ebene an, war jedoch an keinen Verbrechen beteiligt.

Nach Duch müssen sich vier weitere Schlüsselfiguren der Roten Khmer vor dem Sondertribunal verantworten: der Chefideologe des Regimes, der heute 82-jährige Nuon Chea, Kambodschas früherer Staatschef, der heute 78-jährige Khieu Samphan, der 83-jährige ehemalige Außenminister Ieng Sary, sowie dessen Frau, die ehemalige "First Lady" und frühere Sozialministerin, Ieng Thirith, heute 76 Jahre alt. Pol Pot selbst starb 1998. Während seiner Schreckensherrschaft kamen in Kambodscha etwa zwei Millionen Menschen ums Leben.

31. März 2009 - 13.19 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009

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