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Berliner Ärzte kritisieren Umgang mit Timoschenko scharf

AFP VOM 30.7.2012 | Nachrichten - Allgemein | 983 Aufrufe
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Timoschenko, Ärzte

Schwere Vorwürfe gegen ukrainischen Justizvollzug

Einhäupl, Harms und Reißhauer reisten heute nach Charkiw. Sie wollten die Erklärung dort den Behörden überreichen. In der Erklärung heißt es, die Haftanstalt habe der 51-Jährigen vorgeworfen, ihre Schmerzen zu simulieren. Diese "von Frau Timoschenko als Behandlungsverweigerung erlebte Unterstellung" habe ihren Gesamtzustand erheblich beeinflusst. Die chronischen Schmerzen Timoschenkos seien auch psychosomatisch bedingt und verursacht "durch die Überzeugung der Patientin, man wolle sie zermürben und schließlich vernichten", erläutern die Mediziner.

Durch die mehrmonatige Verzögerung einer angemessenen Behandlung sei "aus einem einfachen Bandscheibenvorfall ein komplexes Schmerzsyndrom" geworden, kritisieren die Mediziner. Die Gesamtsituation in der Klinik in Charkiw lasse "bei uns Zweifel aufkommen, ob unter diesen Bedingungen eine Restitution überhaupt erreicht werden kann".

In dem 20 Quadratmeter großen Krankenhauszimmer, in dem Timoschenko liege, seien drei Überwachungskameras installiert und "fünf Rauchmelder an der Decke, deren Funktion von Frau Timoschenko ebenso hinterfragt wird wie die ständige Präsenz einer weiteren Gefangenen im Krankenzimmer". Bisher habe die Patientin nie allein mit ihren Ärzten sprechen dürfen.

Die Ärzte bescheinigten Timoschenko eine komplexe Hauterkrankung. Es handele sich dabei um eine allergische Reaktion auf Medikamente. Aufgrund der gemeinsamen Behandlung mit den ukrainischen Ärzten könne Timoschenko inzwischen länger sitzen und weitere Strecken mit einer Gehhilfe zurücklegen. Außerdem sei eine "deutliche Besserung der Schmerzen erreicht" worden. Timoschenko war 2011 wegen Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit Gasgeschäften während ihrer Zeit als Regierungschefin zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Bislang blieben alle Versuche aus dem Ausland fruchtlos, ihre Freilassung zu erreichen.

In einem symbolischen Schritt ernannte derweil das wichtigste Oppositionsbündnis Timoschenko zu seiner Spitzenkandidatin. Die Allianz, der auch Timoschenkos eigene Partei angehört, wählte sie bei einem Kongress auf den ersten Listenplatz für die Parlamentswahl im Oktober. Timoschenko ist eine Kandidatur wegen ihrer Haftstrafe nicht möglich. Der Urnengang im Oktober ist die erste wichtige Abstimmung seit der Wahl von Präsident Viktor Janukowitsch 2010. Die Wahl gilt daher als wichtiger Test für die Demokratie und wird vom Westen aufmerksam beobachtet.

© AFP Agence France-Presse GmbH 2012



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