Caroline steht Ernst August vor Gericht bei
AFP VOM 13.1.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1841 Aufrufe Mehr zum Thema:Caroline, Prinz Ernst August
Prinzessin sagt vor Landgericht Hildesheim aus
Als der Vorsitzende Richter Andreas Schlüter sie über ihre Wahrheitspflicht belehrte und darüber, dass sie im Prozess gegen ihren Ehemann nicht aussagen muss, blickte Prinzessin Caroline auf, schüttelte den Kopf und sagte energisch: "Dafür bin ich gekommen, ich will aussagen." Mehr als zwei Stunden stand die 52-Jährige am Mittwoch im Schwurgerichtssaal des Hildesheimer Landgerichts Rede und Antwort. Dabei legte sie Zeugnis ab für ihren Mann Ernst August von Hannover, der sich in Hildesheim wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung verantworten muss.
Streng abgeschirmt von Journalisten und Zuhörern wurde Caroline am Morgen in den Saal geführt. Feste Schnürhalbschuhe, schwarze Hose, schwarzer Pullover, Schal und hellbrauner Kamelhaarmantel - das Outfit der monegassischen Prinzessin passte zum frostigen Januartag in Hildesheim. Die Prinzessin macht ihre Aussage auf Englisch, gelegentlich streute Caroline aber deutsche Vokabeln und Halbsätze ein. Vom Vorsitzenden Richter wurde sie mit Madame angesprochen, darauf hatten sich Gericht und der Fürstenhof von Monaco im Vorfeld geeinigt. Den vollen Zuschauerraum schien sie gar nicht wahrzunehmen.
Des Prinzen Anwalt Hans Wolfgang Euler lächelte einmal ganz kurz, als die Prinzessin gleich zu Beginn ihrer Aussage zur Sache kam und die alles entscheidende Szene beschrieb, die seit nun genau zehn Jahren die niedersächsische Justiz beschäftigt: Sie und Ernst August hätten auf der kenianischen Ferieninsel Lamu am 14. Januar 2000 mit Freunden auf einer Hotelterrasse zu Abend gegessen und mal wieder einen Brief formuliert an die Behörden, damit der deutsche Hotelier Brunlehner endlich gezwungen werde, den Lärm seiner benachbarten Diskothek mit allabendlicher Lasershow in Grenzen zu halten. Da habe ihr Mann erfahren, dass Brunlehner wenige Meter entfernt am Strand mit seinem Boot angekommen und auf dem Wege zur Terrasse gewesen sei.
Die Prinzessin formuliert so eindeutig, dass Staatsanwaltschaft und Nebenklage es danach bei wenigen Detailnachfragen belassen. Zwölf bis 15 Meter nur sei sie entfernt gewesen, als Prinz Ernst August auf Brunlehner zugeeilt sei: "Dann sah ich, dass mein Mann ihm zwei Ohrfeigen mit der flachen Hand versetzt und gesagt hat: Eine für die Musik und eine für das Licht." Das Opfer sei zu Boden gegangen, dann sofort Richtung Boot geflüchtet. Ihr Mann sei ihm noch ein Stück gefolgt und habe "einige Sachen gerufen, die nicht geeignet sind, um vor Gericht zitiert zu werden".
Verteidigen wollte Caroline diese Handgreiflichkeit nicht: "Die Aktion möchte ich nicht rechtfertigen, überhaupt nicht". Aber es sei das einzige Mal gewesen, dass sie ihn so erlebt habe, sprang sie dem Prinzen gleich wieder bei. Zudem seien es keine heftigen Ohrfeigen gewesen: "Ich habe schon Kinder gesehen, die sich stärker geprügelt haben." Ihr Mann habe auch keinen Ring getragen, der die von Brunlehner behaupteten schweren Verletzungen erklärten könnte und er sei auch nicht alkoholisiert gewesen. Die Verteidigung versucht seit Prozessbeginn zu beweisen, dass Brunlehner nur geschauspielert habe.
Abgeschirmt von Bodyguards und Wachtmeistern verließ Caroline den Schwurgerichtssaal wieder durch die Seitentür, draußen gelang es den Fotografen dann doch noch, sie abzulichten. Der Vorsitzende Richter beendete den Prozesstag mit dem guten Rat, alle Beteiligten sollten die Aussage "jetzt mal sacken lassen" bis zum nächsten Verhandlungstag 28. Januar. Die meisten Zuschauer im Gericht machten indes den Eindruck, sie seien auf ihre Kosten gekommen. "Einen souveränen Auftritt" bescheinigte eine ältere Frau der Prinzessin: "Die ist angereist, um die Wahrheit zu sagen."
13. Januar 2010 - 15.55 Uhr
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