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Bundesregierung entschädigt Opfer der Neonazi-Zelle

AFP VOM 30.1.2012 | Nachrichten - Allgemein | 445 Aufrufe
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Opfer, Entschädigung, Neonazi-Zelle, Zschäpe

Flucht des Trios scheiterte offenbar an Zschäpe

Die Bundesregierung hat mit der Entschädigung von Opfern der rechtsterroristischen Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) begonnen. Es lägen bereits "sehr viele Anträge" von Geschädigten der NSU vor, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums in Berlin. Es seien "auch schon Opfer entschädigt worden". Eine bereits geplante Flucht der Zwickauer Neonazi-Zelle nach Südafrika scheiterte einem Zeitungsbericht zufolge vor gut zehn Jahren am Veto der mutmaßlichen Terroristin Beate Zschäpe gescheitert.

Das Geld stamme aus einem Fonds des Ministeriums für Opfer rechter Gewalt, die gezahlten Pauschalsummen lägen im Bereich von 5000 bis 10.000 Euro. Die Gelder würden unbürokratisch ausgezahlt, ohne dass die Opfer im einzelnen die Details des erlittenen Schadens nachweisen müssten. Zur Zahl der entschädigten NSU-Opfer wollte die Sprecherin keine Angaben machen.

Zschäpe wollte im Gegensatz zu ihren Gesinnungsgenossen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos offenbar nicht weg aus Deutschland, wie die "Welt" unter Berufung auf einen Ermittler berichtete. Diese Darstellung wird laut dem Bericht durch eine geheime Dokumentation gedeckt, in der die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern ihr früheres Wissen über die Terrorzelle zusammengetrugen.

Das 24-seitige Papier enthält demnach die Aussage eines V-Manns aus der rechten Szene, der im April 2001 über "Unterbringungsmöglichkeiten in Südafrika" berichtete. "Während Böhnhardt und Mundlos mit dem Ziel einverstanden seien und dies auch als Daueraufenthaltsort anstrebten, beabsichtige Zschäpe, die nicht ins Ausland wolle, sich nach der Abreise der beiden den Behörden zu stellen", heißt es laut "Welt" in der Dokumentation, die der Zeitung nach deren Angaben vorliegt.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe seien offenbar zu keinem Zeitpunkt ins Ausland gegangen, um sich der Verfolgung zu entziehen, berichtete die Zeitung weiter. Längere Aufenthalte in Bulgarien, Tschechien, Ungarn oder Belgien, über die immer wieder spekuliert worden war, hielten die Ermittler inzwischen für nahezu ausgeschlossen. Vielmehr gehen die Behörden demnach davon aus, dass die Rechtsextremisten seit ihrem Untertauchen 1998 bis zum Auffliegen der Zelle im vergangenen Jahr ununterbrochen über Wohnungen in Sachsen verfügten.

Die jahrelang unentdeckt gebliebene Zwickauer Terrorzelle soll zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin ermordet haben. Außerdem werden der Gruppe zwei Sprengstoffanschläge in Köln 2001 und 2004 mit insgesamt 23 Verletzten sowie eine Serie von Banküberfällen zur Last gelegt.

30.01.2012 - 15:00 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2011

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