"Fair Play" ist ein Motto des deutschen Fußballs. Eigentlich sehr löblich - wenn es denn funktionieren würde. Denn "Fair Play" zeichnet sich nicht nur durch ein untadeliges Verhalten auf dem Platz, sondern auch im sonstigen Umgang mit der Konkurrenz aus. Ein faires Spiel hat oft aber auch einen entscheidenden Nachteil: Langweilig! Das ist wie "Big Brother", wenn sich alle Containerbewohner verstehen.
Schon die Aussagen von Uli Hoeneß am Ende einer jeden Saison gegen Leverkusens Trainer Daum haben wenig mit Fairness zu tun. Im Sinne der psychologischen Kriegsführung versucht man alljährlich in München, den Erzfeind Leverkusen nicht nur nervös, sondern auch schlecht zu reden. Nicht die feine Art, aber immer wieder von Stimmen in den Medien schöngeredet: "Im Kampf um den Titel gehört so eine Verbalschlacht schon mal dazu," so oder ähnlich werden Prahlereien aus München gerne kommentiert. Wen interessiert schon ein faires Spiel? Hauptsache die Aufmerksamkeit der Medien stimmt. Aus Schiedsrichtersicht allerdings spielt Hoeneß nicht den Ball, und dafür müsste es eigentlich Gelb geben.
Alles Kinderkram im Gegensatz zu den aktuellen Vorwürfen aus München. Mit Drogen und Prostitution soll Herr Daum etwas zu tun haben, tönt es aus Hoeneß Mund. Der Manager von Bayern München bezweckt damit offensichtlich nicht nur eine temporäre Behinderung des Spiels von Christoph Daum, sondern die komplette Spielunfähigkeit - immerhin will er einen Bundestrainer mit dem Namen Daum verhindern. Ohne Kompromisse mit Blutgrätsche in den Mann - so zumindest der erste Eindruck - das bedeutet die Rote Karte. Jeder anständige Schiedsrichter müsste einen Spieler mit einer derartig gefährlichen Spielweise vom Platz stellen.
Was Uli Hoeneß da wieder geritten hat, das weiß kein Mensch. Einstimmig fiel der Beschluss aus, der Daum 2001 zum Nachfolger von Rudi Völler bestimmte. Nun der komplette Richtungswechsel aus München, in derart niveauloser und bösartiger Art und Weise. Denn Beweise hat Herr Hoeneß keine. Oder doch? Irgendwie will mir nicht in den Kopf, dass da einer wilde Behauptungen in die Runde wirft, und am Ende ohne ein Ass im Ärmel dasteht. So töricht kann ein Manager doch nicht sein. Prekär ist auch der Zeitpunkt, kurz vor einem wichtigen Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen England. Hoeneß plädiert für ein Weitermachen von Völler, wenn das Spiel gut verläuft. Ist das nur Zufall, oder von langer Hand geplant?
Wir sind gespannt, wie es weitergeht. Am Ende haben wir entweder einen koksenden Bundestrainer, oder einen zurückgetretenen Choleriker aus München. Eins aber ist sicher: "Fair Play" ist nur eine Floskel, es lebe die Schlammschlacht. Mal sehen, was die Zeitlupe bringt. Da geht noch was.