Blinder Menschenrechtsaktivist in China aus Gefängnis entlassen
AFP VOM 9.9.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 1229 Aufrufe Mehr zum Thema:Menschenrechte, Aktivist
Chen kämpfte gegen Zwangssterilisierungen und -abtreibungen
Ein blinder chinesischer Menschenrechtsaktivist, der gegen Zwangsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Ein-Kind-Politik protestiert hatte, ist aus der Haft entlassen worden. Chen Guangcheng habe nach vier Jahren das Gefängnis in Linyi verlassen, teilten Menschenrechtsgruppen am Donnerstag mit. Der Aktivist, der 38 Jahre alt sein soll, hatte sich in der ostchinesischen Provinz Shandong gegen Zwangssterilisierungen und Zwangsabtreibungen eingesetzt. Seiner Darstellung zufolge mussten sich dort mindestens 7000 Frauen diesen Maßnahmen zur Verwirklichung der chinesischen Ein-Kind-Politik unterziehen.
Nach Angaben des Netzwerks Chinese Human Rights Defenders (CHRD) war Chen nach der Haft geistig in guter Verfassung, aber körperlich schwach. Er leide seit Juli 2008 an einer chronischen Magen-Darm-Infektion. Außerdem sei er mindestens einmal von Mithäftlingen geschlagen worden. "Ich habe mich überhaupt nicht verändert", sagte Chen laut CHRD nach der Freilassung. "Ich möchte allen Freunden, die sich um mich gesorgt haben, danken."
Die Nachrichtenagentur AFP konnte Chens Familie zunächst nicht erreichen, um eine Bestätigung der Haftentlassung zu bekommen. Auch das Gefängnis war nicht zu erreichen. Die Strafvollzugsbehörden hatten jedoch zuvor bereits erklärt, sie äußerten sich generell nicht zu Häftlingen. Chens Ehefrau Yuan Weijing hatte mitgeteilt, sie rechne für Donnerstag mit der Freilassung.
Chen, der seit seiner Kindheit blind ist, ist kein gelernter Jurist, sondern einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Die Freilassung aus der Haft bedeutet für den Aktivisten nun, weiter unter staatlicher Beobachtung zu stehen, wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) erklärte. Demnach wurden bei seinem Haus bereits Überwachungskameras installiert, mit denen er rund um die Uhr überwacht werden kann. "Für manche chinesischen Aktivisten ist das Ende eines Gefängnisaufenthaltes nur der Anfang einer lebenslangen Strafe polizeilicher Überwachung und Gängelung", erklärte die HRW-Direktorin für Asien, Sophie Richardson.
Chen erlangte mit seinen Protesten weltweite Berühmtheit. Er wurde für den diesjährigen Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Das US-Magazin "Time" stufte ihn 2006 als einen der hundert einflussreichsten Menschen der Welt ein.
9. September 2010 - 10.36 Uhr
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