Bill Gates schlägt zurück
AFP VOM 10.6.2004 | Nachrichten - International | 3622 Aufrufe Mehr zum Thema:Microsoft, EU-Wettbewerbskommission, Monti
Bill Gates schlägt zurück
Microsoft geht in Berufung
Wie erwartet hat Microsoft vor dem Europäischen Gericht Erster Instanz gegen das von der Europäischen Union verhängte Bußgeld in Höhe von einer halben Milliarde Dollar Berufung eingelegt. Das gab das Unternehmen um den Software-Magnaten Bill Gates am Dienstag bekannt. Im März hatte die EU-Kommission dem Firmenimperium die Zahlung auferlegt, weil sie die es als erwiesen angesehen hatte, dass Microsoft sein Beinahe-Monopol missbraucht und damit gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstieß. Microsoft betrachtet die Strafe dagegen als Hemmnis für Forschung und Entwicklung von innovationsfreudigen Unternehmen. Die Firma kündigte an auf die Aussetzung der Auflagen für die Dauer des Verfahrens hinzuarbeiten.
Mario Monti, oberster EU-Wettbewerbskommissar, hatte die Maßnahmen veranschlagt, um die Monopolstellung des Software-Konzerns zu brechen. Monti ist mit dem bisherigen Ergebnis seines mittlerweile fünf Jahre währenden Feldzugs äußerst zufrieden. Im Hinblick auf das möglicherweise Jahre andauernde Verfahren vor dem Europäischen Gericht zeigte er sich zuversichtlich.
Im Verfahren vor der EU-Wettbewerbskommission ging es um die Frage, ob Microsoft sich eine Monopolstellung verschafft, indem es sein Betriebssytem Windows mit dem Media Player ausrüstet. Da auf nahezu jedem verkauften Computer das Microsoft-Betriebssystem installiert ist, würde es so für Anbieter vergleichbarer Produkte keinen Markt mehr geben, befanden die Wettbewerbskommissare. Zweiter Streitpunkt war die mangelnde Kompatibilität von Windows mit Betriebssystemen anderer Anbieter. Server-Hersteller Sun-Microsystems hatte zuvor eine Klage vor der EU-Wettbewerbskommission angestrebt, weil ihr System Solaris nicht mit windowsbetriebenen Rechnern kompatibel war.
Microsoft wurde die Auflage gemacht, eine weitere Windowsversion ohne den Media Player auf den Markt zubringen. Konsumenten sollen so die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, mit welchen Anwendungsprogrammen zur Wiedergabe von Audio- und Video-Dateien sie arbeiten wollen. Obendrein muss der Konzern enger mit seinen Mitbewerbern zusammenarbeiten, um Windows den Betriebssystemen anderer Anbieter anzupassen.
Quellen: spiegel.de, nytimes.com, washingtonpost.com


