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Besteht nachträglich Anspruch auf Verzinsung?

3.1.2013 Thema abonnieren
 Von 
RRatlos
Status:
Frischling
(35 Beiträge, 28x hilfreich)
Besteht nachträglich Anspruch auf Verzinsung?

Hallo Forum,

folgendes Beispiel:

Großeltern schenken Enkel 5.000 Euro. Bis zum 18. Geburtstag des Enkels wird das Geld jedoch treuhänderisch als Darlehen dem Sohn (Onkel des Enkels) mit der Verpflichtung überlassen, das Geld dem Enkel/Neffen zum 18 Geburtstag auszuzahlen. Großeltern versterben vor dem 18. Geburtsstag des Enkels. Am Geburtstag verweigert der Onkel die Auszahlung des Geldes. Es gibt keine schriftlichen Unterlagen über die Schenkung und das treuhänderische Darlehen. Nach 8 Jahren sieht der Onkel ein, dem Neffen etwas zahlen zu müssen/zu wollen und beginnt eine monatliche Zahlung von 50 Euro. Aufgrund dieser Zahlungen hat der Neffe ein Schriftstück erlangt, auf dem der Onkel quasi seinen Anspruch bestätigt. Somit ist die Beweislage des Enkels für seinen Anspruch sichergestellt.

Aufgrund dieser Konstellation bin ich folgender Meinung:

1. Da der Enkel aufgrund eines bisherigen Beweismangels nicht Wirkliches unternehmen konnte und der Onkel nunmehr seine Verpflichtung zum 18. Lebensjahr bestätigt hat, kann der Enkel für die 8 Jahre Zahlungsverweigerung rückwirkend Zinsen verlangen.

2. Ich bin der Meinung, daß 5% Zinsen plus Zinseszins angemessen sind.

3. Da der Enkel keinen Dispokredit und sonstigen Kredit von der Bank erhält, kann er für die Zukunft Zinsen in Höhe seiner anfallenden, geduldeten Dispo-Zinsen (ca. 17% op.a.) verlangen.

Was meint Ihr zu meinen 3 Statements? Weiss jemand, ob in einer solchen Konstellation auch ein Schadenersatz geltend gemacht werden kann - oder wären das die rückwirkenden Zinsen?

Gruß
rratlos

-- Editiert RRatlos am 03.01.2013 13:14

-- Editiert RRatlos am 03.01.2013 14:26

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
mepeisen
Status:
Weiser
(17358 Beiträge, 11710x hilfreich)

Zu 3 würde ich tendenziell sagen, dass das Unfug ist. So etwas dürfte nur dann der Fall sein, wenn eine fällige Zahlugn verweigert wird und man exakt deswegen zur Vermeidung beispielsweise einer Insolvenz kurzfristig Darlehen aufnehmen müsste.

Schadensersatz sind bestenfalls die rückwirkenden Zinsen.

Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist A) hat der Enkel die Auszahlugn aufgefordert und kann er dies wirksam nachweisen und B) trifft trotzdem für die Zinsen eine Verjährung.
Woher wusste der enkel, dass er das geld bekommen sollte, wurde es beispielsweise im Testatement erwähnt. Hätte er zivlrechtlich gegen den Onkel vorgehen können usw.

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"Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt."

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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unsterblich
(23163 Beiträge, 8922x hilfreich)

Die erste Frage, die sich mir stellt, ist die der Verjährung. Wenn der den Anspruch nicht geltend gemacht hat, könnte diese nämlich durchaus eingetreten sein.

Also, ab zum Anwalt.

wirdwerden

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#3
 Von 
RRatlos
Status:
Frischling
(35 Beiträge, 28x hilfreich)

Hallo mepeisen,

danke für die Antwort. Ich konstuiere den Fall ´mal weiter:

Es gab zudem Zeitpunkt viel familiäre Turbolenzen. Die Mutter des Enkels (Tochter der Verstorbenen sowie Schwester des Onkels) lebte in einer dramatischen Scheidung. Der Vater (des Enkels) wusste von der Schenkungskonstallation und hatte per Vollmacht und RA versucht, die Forderungen für seinen Sohn durchzusetzen. Der Junge lebte noch bei seiner Mutter und wurde - des Familienfrieden willens - massiv unter Druck gesetzt, die Vollmacht für das juristische verfahren zurückzuziehen, was dann auch geschah. Unterlagen darüber existieren noch. Der damals vom Vater beauftragte RA hatte eine Verzinsung in höhe von 5% über dem Basiszinssatz gefordert ...

Wann verjähren Zinsforderungen?
Wie hoch ist eine maximal mögliche Verzinsung für die Zukunft?

Gruß
rratlos

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#4
 Von 
RRatlos
Status:
Frischling
(35 Beiträge, 28x hilfreich)

@ wirdwerden,

sit die Verjährung durch die derzeitige Zahlung von 50 Euro pro Monat nicht beendet?

Nach welcher Frist verjährt ein solcher Anspruch?

gruß
rratlos

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#5
 Von 
mepeisen
Status:
Weiser
(17358 Beiträge, 11710x hilfreich)

quote:

sit die Verjährung durch die derzeitige Zahlung von 50 Euro pro Monat nicht beendet?

Man könnte daraus vielleicht eine Hemmung der Verjährung nach §203 BGB konstruieren. Fragwürdig.
Mit dem nun erfolgten Schuldanerkenntnis dürfte sich allerdings nun der Verjährungsbeginn verschoben haben.

quote:
Wann verjähren Zinsforderungen?
Die laufen eigenständig. Also jeweils 3 Jahre. Man kann insofern nur Zinsen der letzten 3 Jahre fordern, es sei denn das Schuldanerkenntnis reicht auch auf sämtliche Zinsen.

quote:
Wie hoch ist eine maximal mögliche Verzinsung für die Zukunft?

Das kommt drauf an, was es ist. Man könnte es als Darlehen sehen. Da gelten dann von privat zu privat auch andere Zinssätze. Im Zweifel gilt aber §288 BGB und damit 5% über dem Basiszins, siehe http://basiszins.de/zinsrechner/



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"Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt."

-- Editiert mepeisen am 03.01.2013 16:28

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#6
 Von 
RRatlos
Status:
Frischling
(35 Beiträge, 28x hilfreich)

Hallo mepeisen,

vielen Dank für die Antworten. Damit sind meine Unklarheiten ersteinmal beseitgt. ;-)))

Gruß
rratlos

-- Editiert RRatlos am 04.01.2013 10:24

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