Unmittelbarer Besitz

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Man kann Besitzer werden durch Ergreifen der tatsächlichen Sachherrschaft. Das ist der Kern des Begriffs Besitz. Wann jemand die tatsächliche Sachherrschaft ergreift, bestimmt die Verkehrsauffassung aufgrund zusammenfassender Wertung aller Gesamtumstände. Wenn Sie einem Bekannten Ihr Mobiltelefon geben, damit er ein kurzes Gespräch in Ihrem Beisein führen kann, erlangt er noch keinen Besitz. Denn seine Sachherrschaft ist so wenig gesichert und auf so kurze Zeit eingeräumt, dass die Verkehrsauffassung dies noch nicht als Besitz ansieht. Geht er zum Telefonieren ins Nachbarzimmer, begründet er eigenen Besitz.

Umgekehrt verlieren Sie den Besitz an Ihrem Mobiltelefon noch nicht, wenn Sie es kurz auf Ihrem Schreibtisch liegen lassen. Die Verkehrsauffassung geht davon aus, dass Sachen, die in Ihrem Machtbereich liegen, auch von Ihrer Herrschaftsgewalt erfasst werden. Wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus verlassen, behalten Sie Besitz an allen Sachen dort. Sie können zwar in Ihrer Abwesenheit nicht über die Sachen bestimmen, Ihre Herrschaftsgewalt realisiert sich jedoch darin, dass Sie andere von der Einwirkung ausschließen.

Die Verkehrsauffassung bestimmt in diesem Rahmen eine Menge. Um beurteilen zu können, wann nun tatsächliche Sachherrschaft vorliegt, bedarf es oft langer Erfahrung als Anwalt oder schlauer Bücher. Eine Beurteilung von Sachverhalten anhand der Verkehrsauffassung hat jedoch den Vorteil, dass Juristen einer Fülle von denkbaren Konstellationen Herr werden können, die der Gesetzgeber im Voraus nicht bedenken könnte. Der Nachteil ist der, dass keiner so ganz genau weiß, was nun die Verkehrsauffassung wieder denkt.

Damit aus Herrschaftsgewalt über eine Sache Besitz wird, ist noch Besitzwille erforderlich. "Ich muss alle meine Sachen besitzen wollen? Die kann ich mir doch nicht alle merken!" Müssen Sie auch nicht. Es reicht ein genereller Besitzwille aus. So wollen Sie alles besitzen, was in Ihrem Haus ist. Deshalb haben Sie z. B. auch Besitz an Sachen, die Ihr Besuch bei Ihnen liegen lässt.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Besitz
Seite  2:  Besitzer ist man wann?
Seite  3:  Unmittelbarer Besitz
Seite  4:  Andere Besitzformen
Seite  5:  Der mittelbare Besitz
Seite  6:  Ein Beispiel
Seite  7:  Besitzschutz
Seite  8:  Verbotene Eigenmacht
Seite  9:  Ansprüche wegen verbotener Eigenmacht
Seite  10:  Die Jahresfrist
Seite  11:  Besitz gegen Eigentum
Seite  12:  Zusammenfassung
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