Beratungspflichten des Anlageberaters

Mehr zum Thema:

Wirtschaftsrecht Rubrik, Anlageberater, Optionsgeschäft, Warentermingeschäft, Aktien

0 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
0

Wunsch des Anlegers nur in sichere Anlagen zu investieren wird nicht durch weitergehende Vollmacht ausgehebelt

Wünscht ein Anleger nur sichere Anlagen und keine Options- oder Warentermingeschäfte, so ist dieser Wunsch für den Berater maßgeblich. Auch eine in einem Auftragsformular erteilte umfassende Vollmacht zum An- und Verkauf aller Art von Wertpapieren entbindet den Berater nicht von einer anlegergerechten Beratung.

Im vom Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) entschiedenen Ausgangsfall hatten die Kunden kein besonderes Fachwissen. In einem vorformulierten Fragebogen hatten sie angekreuzt, dass sie nur sichere Anlagegeschäfte wünschten und keine Options- oder Warentermingeschäfte.
Daran hielt sich der Anlageberater nicht. Der Verlust der Anleger belief sich auf ca. 12.000 Euro bei einem Anlagevolumen von ca. 80.000 Euro.

Luis Fernando Ureta
seit 2003 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Medizinrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Zeppelinstraße 8
30175 Hannover
Tel: 0511 / 300 257 0
Web: www.ralehmannundpartner.de
E-Mail:
Arbeitsrecht, Handelsrecht, Vertragsrecht, allgemein

Im Prozess vor dem OLG berief sich der Berater u.a. auf eine gesonderte Vollmacht. In dieser hat der Berater sich ermächtigen lassen, mit den Depotmitteln "Wertpapiere aller Art" (inklusive Leerverkäufe) und gegen "Margin" zu kaufen und zu verkaufen, wobei "ungedeckte Optionsgeschäfte" ausgeschlossen waren und "Options- und Margingeschäfte" der Zustimmung der Anleger bedurften.

Für das Gericht lag es auf der Hand, dass diese weitgehende Ermächtigung dem zum Ausdruck gebrachten Willen der Anleger, nur in sichere Anlagen investieren und keine Spekulationsgeschäfte abschließen zu wollen, widersprach.

Der Anlageberater hatte keine breite Streuung vorgenommen und stattdessen nur Technologiewerte erworben. Ferner wurden auch hochspekulative Optionsgeschäfte getätigt. Dies widersprach der von den Anlegern gewünschten konservative Anlagestrategie. Dass das Vorgehen der Beklagten von dem Vertragstext der Vollmacht gedeckt war, spielte keine Rolle. Bei gehöriger Aufklärung darüber, wie der Anlageberater das ihm anvertraute Vermögen zu verwalten gedenkt, hätten seine Kunden die Vollmacht wahrscheinlich nicht erteilt. Diese Vermutungsregelung konnte der Berater im vorliegenden Fall nicht entkräften.

Der Berater verstieß gegen die Grundsätze einer pflichtgerechten Beratung. Diese ist nur dann möglich, wenn der Vermögensberater sich zunächst darüber informiert,

  • welchen Wissensstand der Anleger über Anlagegeschäfte im Allgemeinen und über spezifische Anlagegeschäfte im Besonderen hat und
  • welche Anlageziele er verfolgt und welche Risikobereitschaft er auf sich nehmen will (anlegergerechte Beratung).

Ohne diese Informationen kann die geschuldete richtige, sorgfältige, verständliche, vollständige und zeitnahe Beratung über die allgemeinen und besonderen Risiken der Produkte, deren Aufnahme in das Depot der Anlageberater empfiehlt und die Gegenstand des Depotvertrags werden sollen, nicht erfolgen. Damit werden vom Gericht gleichzeitig die elementaren Bestandteile der anlagegerechten Beratung beschrieben.

Im vorliegenden Fall wollten die Kunden nur in sichere Anlagen investieren. Relativ sicher und relativ frei von Spekulation sind nur Standardwerte in breiter Streuung. Den Kunden kam es gerade nicht darauf an, durch ständige Käufe und Verkäufe kurzfristige Spekulationsgewinne zu erzielen und entsprechende Verlustrisiken in Kauf zu nehmen.

Über die allgemeinen und spezifischen Risiken und diejenigen der zahlreichen Segmente der Investmentpapiere, zu deren Handel mit Mitteln der Klägerin die Beklagte sich hat ermächtigen lassen, wurden die Kunden auch nicht aufgeklärt. Die in einem beigefügten Formular enthaltenen "Risikohinweise für Börsengeschäfte" waren als Risikoaufklärung ungeeignet. Die Anleger konnten in diesem Fall davon ausgehen, dass diese Hinweise auf die Geschäfte, die sie anstrebte, gar nicht passten.

OLG Düsseldorf 15.07.2003

Rechtsanwalt Luis Fernando Ureta
www.fjschmidt-partner.de

Diskutieren Sie diesen Artikel
Sie haben Fragen? Nehmen Sie gleich Kontakt auf.
Rechtsanwalt
Luis Fernando Ureta
Fachanwalt für Medizinrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht
Hannover
Guten Tag Herr Ureta,
ich habe Ihren Artikel " Beratungspflichten des Anlageberaters" gelesen und würde darüber gerne mit Ihnen sprechen.
Kontakt aufnehmen