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Belgiens Gefängnisse nach blutiger Geiselnahme im Streik

AFP VOM 30.10.2009 | Nachrichten - International | 976 Aufrufe
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Geiselnahme, Gefängnis

Beamte protestieren gegen überbelegte Strafanstalten

Nach einer blutigen Geiselnahme mit einem Toten in einem belgischen Gefängnis sind nach Gewerkschaftsangaben die Wärter in den meisten Gefängnissen des Landes in den Streik getreten. "Alle oder fast alle Gefängnisse sind im Streik", sagte Gaston Merkelbach vom Gewerkschaftsbund CSC am Freitagnachmittag der Nachrichtenagentur AFP. Derweil wollte die Regierung in Brüssel eine Anmietung niederländischer Gefängniszellen beraten.

Die Wärter forderten, "die Überbelegung zu verringern und die Sicherheit in allen Einrichtungen zu erhöhen", sagte Merkelbach. Beides sei miteinander verbunden. Der Streik sollte bis zum Abend dauern. Die Gefängnisse in Belgien haben 10.400 Insassen und liegen damit um 2000 über ihrer eigentlichen Kapazität. In den vergangenen Monaten war es nach gewaltsamen Vorfällen innerhalb von Haftanstalten mehrmals zu Arbeitsniederlegungen gekommen, in deren Folge als Vertretung Polizisten eingesetzt werden mussten.

Ein Spezialkommando der Polizei hatte in der Nacht auf Freitag in einem Gefängnis im flämischen Löwen einen Häftling erschossen, um eine Geiselnahme zu beenden. Nach Angaben der belgischen Medien hatte es zunächst einen gewaltsamen Streit gegeben. Ein Häftling sei nach Verhängung einer Disziplinarstrafe mit einer Schere auf eine Wärterin losgegangen und habe sie schwer verletzt, berichtete die Agentur Belga.

Nachdem sich weitere Anwesende einmischten, sei der Mann mit einem Mithäftling in eine Zelle geflohen, hieß es in dem Belga-Bericht. Dort hätten die beiden einen Dritten als Geisel genommen. Ein Spezialkommando der Polizei sei angerückt. Nach vergeblichen Verhandlungsversuchen habe es gegen ein Uhr nachts die Zelle gestürmt. Als der Haupttäter mit der Schere auf die Geisel eingestochen habe, sei er erschossen worden. Es soll sich um einen Mann handeln, der wegen Mordversuchs an einem Mediziner zu 22 Jahren Haft verurteilt war.

Belgiens Justizminister Stefaan De Clerck sagte dem Sender VRT, eine Ursache für die Geiselnahme und ähnliche Geschehnisse sei die Überbelegung der belgischen Gefängnisse. "Wir müssen dem absolut ein Ende machen", sagte er. Der Minister erinnerte daran, dass sieben neue Haftanstalten geplant seien.

In der Zwischenzeit plant die Regierung in Brüssel die Anmietung von niederländischen Gefängniszellen für belgische Häftlinge. Es geht um 500 Zellen im südniederländischen Tilburg. Die Pläne waren schon vor der Geiselnahme bekannt, am Freitagnachmittag standen die Beratungen dazu bei der Regierung in Brüssel auf der Tagesordnung. Nach De Clercks Einschätzung könnte der Vertrag mit dem Nachbarland am Samstag unterzeichnet werden.

30. Oktober 2009 - 16.09 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009


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