Befreiung von Zuzahlungen für Medikamente

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Sozialrecht Rubrik, Befreiung, Zuzahlungen, Medikamente, Krankenkasse, Antrag, Belastungsgrenze

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Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente können durch Antrag bei der Krankenkasse verringert werden

Die Kosten für Arzneimittel, ärztliche Behandlungen und andere gesundheitliche Maßnahmen können auch für versicherte Patienten sehr hoch werden. Wenn die Belastungsgrenze überschritten ist, kann der Patient sich von der Zuzahlung befreien lassen.

Wie funktioniert eine Befreiung von der Zuzahlung?

Wenn Ausgaben im Gesundheitsbereich bei einer versicherten Person einen bestimmten Betrag (Belastungsgrenze) übersteigen, kann diese Person auf Antrag von der Krankenkasse von diesen Zuzahlungen für den Rest des Jahres befreit werden. Die Krankenkasse hat eine Bescheinigung darüber zu erteilen, dass für den Rest des Kalenderjahres keine Zuzahlungen mehr zu leisten sind, wenn die Belastungsgrenze bereits innerhalb eines Kalenderjahres erreicht wird. 

Die Belastungsgrenze beträgt 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt, bei chronisch Kranken 1 %, § 62 Abs. 1 SGB V.

Die Belastungsgrenze liegt bei chronisch Kranken, bei denen die Kosten der Unterbringung in einem Heim von einem Träger der Sozialhilfe getragen werden, bei 44,88 € (ab 2013: 45,84 €), ansonsten bei dem doppelten Betrag 89,76 € (ab 2013: 91,68 €), § 62 Abs. 2 Nr.2 SGB V.

Welche Ausgaben sind gemeint?

Zu den Ausgaben, die bei der Ermittlung, ob die Belastungsgrenze im Einzelfall erreicht wurde, d.h. ab wann eine Befreiung erteilt wird, zählen:

  • Praxisgebühren sowohl für Arzt- als auch für Zahnarztbesuche / je 10,- € pro Quartal (fällt ab 2013 weg)
  • Zuzahlungen für Medikamente (zwischen 5,- und 10,- € -  je nach verordnetem Medikament)
  • Eigenbeteiligung bei Krankenhausaufenthalt
  • Eigenbeteiligung bei Kuren (Reha-Maßnahmen)
  • Eigenbeteiligung bei Krankengymnastik- / Massage- / Physiotherapie-Rezepten

Der Antrag auf Befreiung kann vorab für das folgende Jahr gestellt werden. In der Praxis hat sich bewährt, den Betrag bis zur Belastungsgrenze vorab zu zahlen, um die Befreiung am Beginn des Jahres zu bekommen.

Es besteht aber auch zukünftig die Möglichkeit, die Quittungen für alle oben genannten Ausgaben (mit Ausnahme der Praxisgebühren, da diese ab 2013 weggefallen) zu sammeln und die Beträge zu addieren. Wenn dann die Belastungsgrenze im Einzelfall erreicht ist, kann der Befreiungsantrag bei der Krankenkasse unter Vorlage der Belege / Quittungen gestellt werden.

Ich habe zu viel gezahlt, bekomme ich mein Geld zurück?

Es gibt die Möglichkeit, dass die Krankenkasse dem Versicherten Zahlungen, die in der Vergangenheit zuviel geleistet wurden, rückwirkend erstattet. Auch hier bedarf es eines Antrags.

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