Bayerns Bischöfe wollen Missbrauchsverdacht an Justiz melden
AFP VOM 18.3.2010 | Nachrichten - Allgemein | 1081 Aufrufe Mehr zum Thema:Missbrauch, Kirche
Meldepflicht soll in Richtlinien verankert werden
Die katholischen bayerischen Bischöfe wollen künftig bei der Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs eng mit der Justiz kooperieren und alle Verdachtsfälle der Staatsanwaltschaft melden. Dies sei von den Bischöfen einstimmig beschlossen werden, sagte der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, zum Abschluss einer Vollversammlung der bayerischen Bischöfe im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen.
Die bayerischen Bischöfe empfehlen zudem, dass eine solche Meldepflicht in die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz aufgenommen wird. Nach den bisherigen Bestimmungen der Bischofskonferenz zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger kann die Kirche auf eine Anzeige verzichten, wenn die Opfer das nicht wollen. Diese Einschränkung soll nach dem Willen der bayerischen Bischöfe also aufgehoben werden.
Die Meldepflicht solle bereits bei bloßem Verdacht auf sexuellen Missbrauch oder körperlicher Misshandlung greifen, erläuterte Marx. Es müsse jedem Verdacht nachgegangen und jede Verfehlung aufgeklärt werden. Oberste Priorität habe die Suche nach der Wahrheit und eine offene Atmosphäre, die die Opfer ermutige, "das auszusprechen, was ihnen angetan wurde". In den kommenden Wochen werde auch über Formen von finanziellen Entschädigungen für die Opfer zu reden sein, kündigte der Erzbischof an.
Marx verteidigte zugleich den wegen seines bisherigen Schweigens zu den Missbrauchsskandalen in Deutschland in die Kritik geratenen Papst Benedikt XVI. "In all ihren Bestrebungen im Kampf gegen Missbrauch wissen sich die bayerischen Bischöfe durch den Heiligen Vater bestärkt", hob der Erzbischof hervor. "Benedikt XVI. weist seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass es gegenüber dem sexuellen Missbrauch keine Toleranz geben darf."
Der mit Spannung erwartete Hirtenbrief des Papstes zu den Missbrauchsfällen in Irland wird am Samstag veröffentlicht. Das Schreiben werde in englischer und italienischer Sprache verfasst sein, teilte der Vatikan mit. Der Papst hatte angekündigt, den Brief am Freitag, dem Tag des Heiligen Josef, zu unterzeichnen. Bei einer Audienz mit irischen Pilgern hatte Benedikt am Mittwoch gesagt, der Brief sei "Zeichen meiner tiefen Besorgnis" über die Fälle sexuellen Missbrauchs, die die katholischen Kirche in Irland "schwer erschüttert" hätten. Unklar bleibt, ob sich der Hirtenbrief auch auf sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche in Deutschland und anderen Ländern bezieht.
18. März 2010 - 16.00 Uhr
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