Bank kündigt Kredite – was nun?

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Die Kündigung einer Geschäftsverbindung trifft den Kunden oft hart. Für den Verbraucher hat die Kündigung zunächst 2 drastische Folgen. Zum einen verliert er die Möglichkeit am bargeldlosen Zahlungsverkehr teilzunehmen.

Andererseits wird zugleich mit der Kündigung vielfach eine automatische Meldung an die SCHUFA abgesetzt, so dass die Kreditwürdigkeit des Betroffenen letztlich nicht mehr gegeben ist.

Dennis Meivogel
seit 2008 bei
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Rechtsanwalt
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Selten kommt eine Kündigung aus heiterem Himmel. Oftmals sind Kündigungen Folge von nicht geduldeten Kontoüberziehungen, d.h. Überziehungen über einen eventuell bestehenden Dispositionsrahmen hinaus. Die Kündigung steht am Ende eines Mahnverfahrens, so dass der Verbraucher schon die Möglichkeit hat, frühzeitig zu reagieren und das Gespräch mit der Bank zu suchen.

Bei Verbraucherdarlehensverträgen schreibt § 498 BGB zudem vor, dass eine Kündigung nur zulässig ist, wenn der Verbraucher mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Raten ganz oder teilweise und mindestens 10 %, bei einer Laufzeit des Vertrages über drei Jahre mit fünf Prozent des Nennbetrages des Darlehens in Verzug ist und dem Darlehensnehmer erfolglos eine zweiwöchige Frist zur Zahlung des rückständigen Betrages mit der Erklärung gesetzt worden ist, dass bei Nichtzahlung innerhalb der Frist eine Gesamtfälligstellung erfolgt. Zudem soll der Darlehensgeber zusammen mit der Fristsetzung ein Gespräch über die Möglichkeiten einer einverständlichen Regelung anbieten.

Auch wenn die Voraussetzung für eine Kündigung nicht vorliegen, macht es oft wenig Sinn, seine Strategie allein auf der nicht gegebenen Zulässigkeit der Kündigung aufzubauen. Für die Bank ist es ein Leichtes erneut zu kündigen und so Formmängel zu heilen.

Wenn die Kündigung erfolgt ist, sollte sofort Kontakt mit der Bank aufgenommen werden. Um eine Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr zu erreichen sollte von der Bank die Einrichtung eines Guthabenkontos gefordert werden.

Mit der ZKA-Empfehlung „Girokonto für jedermann“ erklären sich die Banken bereit, jeder Person grundsätzlich – sofern nicht im Einzelfall schwerwiegende Gründe dagegen sprechen – auf Wunsch ein Girokonto zur Verfügung zu stellen, das zumindest die Entgegennahme von Gutschriften, Barein- und –auszahlungen sowie die Teilnahme amÜberweisungsverkehr ermöglicht.

Eintragungen bei der SCHUFA, die auf schlechte wirtschaftliche Verhältnisse des Kunden hindeuten, sind alleine kein Grund, die Führung eines solchen Kontos zu verweigern. Überziehungen bei solchen Guthabenkonten braucht das Kreditinstitut nicht zuzulassen.

Die Sparkassen sind teilweise (z. Bsp. in Nordrhein-Westfalen ) sogar gesetzlich verpflichtet solche Konten zu führen.

Die weitaus größere Herausforderung als die Einrichtung eines Guthabenkontos, um wieder am Zahlungsverkehr teilnehmen zu können, ist jedoch mit der Bank eine Regelung über die gekündigten Verbindlichkeiten zu erreichen.

Es droht ansonsten die Einleitung von Vollstreckungsmaßnahmen, also letztlich die Pfändung und der Besuch des Gerichtsvollziehers. Bei den weiteren Verhandlungen ist es vor allem wichtig, der Bank die Einkommens- und Vermögenssituation umfassend und belegt darzulegen. Viele Banken haben einen großen Verhandlungsspielraum hinsichtlich der Abwicklung notleidender Kredite, da sie sich nicht ewig mit ihren offenen Forderungen herumquälen möchten.

Auf der anderen Seite müssen einvernehmliche Reglungen allerdings immer eine sachliche Begründung haben und wirtschaftlich sinnvoll sein. Es ist sicherlich hilfreich, wenn man – neben oder anstelle einer Ratenzahlung - eine größere Einmalzahlung, z. Bsp. aus dem Familienkreis zur Verfügung gestellt, als Vergleichszahlung anbieten kann. Je höher diese gemessen an den Schulden ist, desto mehr steigt die Bereitschaft der Banken gegebenenfalls auf Teilbeträge zu verzichten.

Sollte die Bank nicht über Titel verfügen, so kann der Verwertungsdruck gemildert werden, indem der Schuldner aktiv die Hergabe eines notariellen Schuldanerkenntnisses anbietet wenn im Gegenzug eine Ratenzahlung akzeptiert wird.

Bestehen allerdings keinerlei Rückzahlungsmöglichkeiten und besteht ein schier unüberwindbarer Schuldenberg, so sollte der Schuldner ernsthaft die Verbraucherinsolvenz mit nachgeschaltetem Restschuldbefreiungsverfahren in Erwägung ziehen.

Letztlich gilt, dass eine offene Kommunikation zwischen Gläubiger und Schuldner die Grundlage für eine sachgerechte Lösung der Schuldenproblematik ist.

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