Hammurapi setzt in seinem Codex das so genannte Talions-Prinzip (Ius talius) um, dessen Motive „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ auch in der Bibel erwähnt werden. In Hammurapis Gesetzeswerk heißt es: „Gesetzt, ein Mann hat das Auge eines Freigeborenen zerstört, so wird man sein Auge zerstören. Gesetzt, er hat einem anderen einen Knochen zerbrochen, so wird man seinen Knochen zerbrechen. Gesetzt, ein Mann hat einem anderen ihm gleichstellenden Manne einen Zahn ausgeschlagen, so wird man ihm einen Zahn ausschlagen. “ Unklar ist jedoch, ob es im babylonischen Recht in jedem Zusammenhang um eine direkte Vergeltung von Straftaten ging, also für ein beschädigtes Auge tatasächlich ein Auge eingefordert wurde, oder ob Hammurapi darauf abzielte, dass der Schadenersatz zwar verhältnismäßig war, allerdings in Form von Naturalien oder Geld entrichtet wurde. Deshalb ist auch nicht sicher, inwieweit das in weiten Teilen sehr kompromisslose Strafmaß des Codex Hammurapi in der alltäglichen Rechtsprechung tatsächlich angewandt wurde.
In den ersten 200 Jahren ihrer Existenz hatte sich Babylon von einer befestigten Ansiedlung zur Großstadt entwickelt. Das bedingte auch eine zunehmend komplexer werdende Gesellschaftsstruktur in der Euphrat-Metropole, in der es neue Berufsstände, Errungenschaften und damit auch Rechtsgebiete gab. Dieser Entwicklung trug Hammaurapi mit seiner Reform des Rechtssystems Rechnung. Mit den 282 Paragraphen sind auch verhältnismäßig modern anmutende Rechtsbereiche wie Miet-, Bau- oder Schadenersatzrecht abgedeckt. Außerdem beschäftigt sich das Gesetzeswerk mit der Reichsverwaltung und regelt zum Beispiel die Verteilung von Land.
| Seite 1: | Babylon - Blüte am Euphrat und die Justiz |
| Seite 2: | Der Codex Hammurapi |
| Seite 3: | Auge um Auge, Zahn um Zahn |
| Seite 4: | Die 282 Paragraphen |
| Seite 5: | Regeln zur Berufsausübung |
| Seite 6: | Das Zivilrecht |
| Seite 7: | Weitere wichtige Gesetze |
| Seite 8: | Hammurapis Erbe |
