Der Codex Hammurapi

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Das Recht in der Geschichte Rubrik, Babylon, Babylonien, Babel, Hammurapi

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Recht im Orient der Antike

Der Codex entstand wahrscheinlich in den letzten Regierungsjahren Hammurapis, also im frühen 16. Jahrhundert v. Chr. Wie alle frühgeschichtlichen Gesetzestexte besteht auch der Codex Hammurapi aus einem Prolog, den Gesetzen und einem Epilog. Im Prolog würdigt der Herrscher seine Leistungen und feiert sich als Verfechter der Rechte der gesellschaftlichen Unterschicht. „Damit der Starke den Schwachen nicht schädigt, um der Waise und der Witwe zu ihrem Recht zu verhelfen, habe ich in Babel, ..., um dem Geschädigten Recht zu verschaffen, meine überaus wertvollen Worte auf (m)eine Stele geschrieben und vor meiner Statue (namens) "König der Gerechtigkeit" aufgestellt.“ Im Epilog empfielt er allen nachfolgenden babylonischen Herrschern, die Gesetze seines Codex durchzusetzen. Seine Empfehlung bekräftigt er mit der Drohung, jeden, der das ignoriert, zu verfluchen.

In seinem Sammelwerk setzt Hammurapi die von ihm propagandierte Gleichstellung sozial Benachteiligter nur bedingt um. Nach wie vor wird nach Adligen, Bürgerlichen und Sklaven im Sinne einer Klassengesellschaft unterschieden. Die Strafen richten sich teilweise nach dem sozialen Status des Geschädigten. Allerdings wird durch den Codex die rechtliche Position von Bürgerlichen und Sklaven gefestigt. So haben Schuldsklaven, also aufgrund von Schulden in die Sklaverei geratene Bürger, ein Recht auf Freilassung nach drei Jahren. Weiterhin können Bürgerliche Rechtsansprüche gegen Adlige geltend machen. Frauen werden zwar nicht die gleichen Rechte wie den Männern zuerkannt, jedoch wird in einigen Bereichen, wie dem Scheidungsrecht, nahezu eine Gleichberechtigung erzielt. Damit ist die Stellung der babylonischen Frau deutlich besser als die der Frauen in anderen mesopotamischen Kulturen und sollte für eine lange Zeit beispiellos bleiben.

Der Codex Hammurabi ist allerdings nicht das erste Gesetzbuch der Antike. Hammurabi entlieh für seine Gesetzessammlung Elemente aus dem wesentlich älteren Codex Urnammu, der auf den gleichnamigen Herrscher der sumerischen Stadt Ur zurückgeht und nur fragmentarisch erhalten ist. Die Strafen, die im Codex Hammurapi erwähnt werden, scheinen aus heutiger Sicht drakonisch. Selbst bei kleineren Delikten, wie zum Beispiel Diebstahl oder Verleumdung, konnte die Todesstrafe angewandt werden. „Wenn ein Bürger einen Bürger bezichtigt und Mord[-schuld] auf ihn geworfen hat, [es] ihm aber nicht beweist, so wird, der ihn bezichtigt hat, getötet.. .“

Das diente vor allem der Abschreckung und sollte die Babylonier dazu bringen, es sich zweimal zu überlegen, ob der gerinfügige materielle Zugewinn eines Diebstahls, das Risiko der Hinrichtung Wert war. Für den großzügigen Umgang mit der Todestrafe lässt sich aber noch ein weiterer Grund finden. Zur Zeit Hammurapis waren die Babylonier erst seit nicht ganz 200 Jahren sesshaft. Die Gepflogenheiten ihrer nomadischen Vorfahren waren noch tief in ihrem Bewusstsein verwurzelt. Ein umherziehendes Volk konnte keine Gefängnisstrafen aussprechen, weil es schlicht und ergreifend keine Gefängnisse gab. Somit war die Todesstrafe das umsetzbare Äquivalent. Zudem bedurften nomadisierende Völker angesichts der sozialen Unbeständigkeit des Nomadenlebens im frühzeitlichen Mesopotamien straffe Regeln.

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Seiten in diesem Artikel:
Seite  1:  Babylon - Blüte am Euphrat und die Justiz
Seite  2:  Der Codex Hammurapi
Seite  3:  Auge um Auge, Zahn um Zahn
Seite  4:  Die 282 Paragraphen
Seite  5:  Regeln zur Berufsausübung
Seite  6:  Das Zivilrecht
Seite  7:  Weitere wichtige Gesetze
Seite  8:  Hammurapis Erbe