Aussagen von Opfer-Angehörigen bei Demjanjuk-Prozess
AFP VOM 21.12.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 1701 Aufrufe Mehr zum Thema:Demjanjuk
Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher in München vor Gericht
Mit Aussagen von Angehörigen der Opfer des Vernichtungslagers Sobibor ist in München der Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk fortgesetzt worden. Kinder, Geschwister und anderen Angehörige schilderten dem Landgericht München II, was sie über das Leben, die Verschleppung und den Tod ihrer Verwandten wussten.
Die Anklage wirft Demjanjuk Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden vor. Er soll während des Zweiten Weltkriegs ein halbes Jahr lang Wärter im Vernichtungslager Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gewesen sein. Der gebürtige Ukrainer, der 1943 als sowjetischer Kriegsgefangener unter deutschem Kommando in dem Lager eingesetzt worden sein soll, schwieg auch am dritten Verhandlungstag zu den Vorwürfen, wie eine Sprecherin des Gerichts sagte. Lediglich sein Anwalt habe einige kurze Nachfragen gestellt.
Von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung des Angeklagten war am Montag den Angaben zufolge nichts mehr zu spüren. Es gehe Demjanjuk wieder gut, er sei voll verhandlungsfähig. Der vorige Prozesstermin am 2. Dezember war wegen einer Erkrankung des 86-Jährigen abgesagt worden. Auch der nächste Verhandlungstag am Dienstag soll nun wie geplant stattfinden.
Die Berichte der Angehörigen, von denen viele in dem weltweit beachteten Verfahren auch als Nebenkläger auftreten, waren der Sprecherin zufolge für die Beweiserhebung und den Prozess rechtlich nicht entscheidend. Das Gericht sehe aber, wie groß das Bedürfnis die Menschen nach Mitteilung sei und wolle ihnen Gelegenheit geben, ausführlich über ihre Erlebnisse zu berichten.
21. Dezember 2009 - 16.08 Uhr
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