Athen ermittelt zu möglicher Flucht von Ex-Siemens-Manager
AFP VOM 15.11.2010 | Nachrichten - Allgemein | 727 Aufrufe Mehr zum Thema:Siemens
Internationalen Haftbefehl gegen Jung wird vorbereitet
Griechenland hat Ermittlungen wegen der mutmaßlichen Flucht des früheren Siemens-Managers Volker Jung aus dem Land eingeleitet und bereitet einen internationalen Haftbefehl vor. Die Staatsanwaltschaft habe von der mutmaßlichen Flucht erst aus der deutschen Presse erfahren, verlautete aus Justizkreisen in Athen. Griechenland wirft dem Rentner und ehemaligen Zentralvorstand vor, in den Schmiergeldskandal bei Siemens verwickelt zu sein, was Jung bestreitet. Seit einer Vernehmung im Frühjahr 2009 in Athen durfte er das Land nicht verlassen.
Jung lebte seitdem mit seiner Frau auf der kleinen Insel Antiparos in der Ägäis, wo er ein Haus besitzt. Nach einer ersten Überprüfung habe sich herausgestellt, dass Jung sich nicht wie angeordnet Anfang November bei der örtlichen Polizei gemeldet hatte, verlautete aus den Athener Justizkreisen. Jung hatte von 1992 bis 2003 dem Zentralvorstand von Siemens angehört. Anders als die griechische Justiz hat die Münchner Staatsanwaltschaft ihm laut "Süddeutscher Zeitung" bescheinigt, dass im Korruptionsfall Siemens nichts gegen ihn vorliegt.
Die griechische Justiz ermittelt auch gegen weitere Siemens-Manager. Zwei von ihnen flohen bereits aus dem Land: Der ehemalige Griechenland-Chef Michalis Christoforakos wurde in Deutschland festgenommen, aber wieder freigelassen. Eine Auslieferung nach Griechenland stoppte das Bundesverfassungsgericht. Christoforakos' ehemaliger Stellvertreter Christos Karavellas ist weiterhin flüchtig.
Der Siemens-Schmiergeldskandal war im Herbst 2006 nach einer Razzia der Münchner Staatsanwaltschaft aufgeflogen. Insgesamt sollen Manager des Konzerns 1,3 Milliarden Euro an Bestechungsgeldern gezahlt haben, um neue Aufträge zu ergattern.
15.11.2010 - 13:31 Uhr


