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Anwalt wirft Frankreich nach Air-France-Absturz "Fahrlässigkeit" vor

AFP VOM 4.8.2010 | Nachrichten - International | 1337 Aufrufe
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Flugzeugabsturz

Deutsche Hinterbliebene beantragen Ermittlungsverfahren

Ein gutes Jahr nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs der Air France über dem Atlantik werfen deutsche Hinterbliebene dem französischen Staat fahrlässiges Handeln vor. Er werde daher strafrechtliche Ermittlungen gegen den französischen Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau beantragen, teilte Hinterbliebenenanwalt Ulrich von Jeinsen aus Hannover am Mittwoch mit.

Frankreich habe jahrelang gegen eine Vorschrift der EU-Kommission verstoßen, indem es kein Informationssystem über Sicherheitsvorfälle im Luftverkehr eingerichtet habe, erklärte Jeinsen. Vielmehr habe Paris "sehenden Auges" in Kauf genommen, dass eines Tages ein Flugzeug wegen vereister Geschwindigkeitsmesser abstürzen könne. Bei dem Unfall im Juni vergangenen Jahres waren 228 Menschen gestorben.

"Der Tod von 228 Menschen, darunter 28 Deutschen, ist auch darauf zurückzuführen, dass der französische Staat fahrlässig gehandelt hat", erklärte Jeinsen, der nach eigenen Angaben die meisten deutschen und alle chinesischen Hinterbliebenen vertritt. Frankreich habe "gegen europäische Richtlinien verstoßen" und "rund 30 vergleichbare Vorfälle mit vereisten Geschwindigkeitsmessern in großer Flughöhe nicht erfasst". Schon 1998 sei ein ähnlich kritischer Vorfall mit einer Maschine der Air France bekannt geworden, weder die Fluggesellschaft noch der Flugzeugbauer Airbus hätten sich aber intensiv mit dem Problem befasst. Die drohende Gefahr durch die so genannten Pitot-Sonden sei schlicht geleugnet, zumindest aber unterschätzt worden.

Der französische Airbus vom Typ A320 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich über dem offenen Meer abgestürzt. Trotz aufwendiger Suche wurden die Flugschreiber bis heute nicht gefunden, weshalb die Absturzursache ungeklärt ist. Französische Luftfahrtermittler stellten aber fest, dass der Ausfall der Geschwindigkeitsmesser "ein Faktor" gewesen sei.

4. August 2010 - 15.58 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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