Anwalt will Polanskis Auslieferung an die USA verhindern
AFP VOM 28.9.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 981 Aufrufe Mehr zum Thema:Polanski
Frankreich und Polen setzen sich für Regisseur ein
Nach der Festnahme von Starregisseur Roman Polanski in der Schweiz wollen seine Anwälte eine Auslieferung an die USA verhindern. "Wir werden seine Freilassung fordern. Und dann werden wir die Auslieferung bekämpfen", sagte der Anwalt Hervé Témine der französischen Zeitung "Le Figaro". Polen und Frankreich forderten die Freilassung des französisch-polnischen Oscar-Preisträgers, der aufgrund eines US-Haftbefehls wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung am Wochenende bei seiner Einreise in die Schweiz überraschend festgenommen worden war.
Am Sonntag hätte Polanski beim Filmfestival in Zürich für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollen. Grundlage für seine Festnahme war ein internationaler Haftbefehl der USA aus dem Jahr 2005 wegen einer Vergewaltigung vor 32 Jahren. Der Starregisseur wurde dort wegen Sex mit einer 13-Jährigen angeklagt. Er bekannte sich schuldig und musste für zunächst sechs Wochen in Untersuchungshaft. Kurz vor der Urteilsverkündung Ende Januar 1978 floh er nach Frankreich, weil ihm eine 50-jährige Haftstrafe drohte.
Ein Antrag Polanskis, das Verfahren einzustellen, wurde im Mai dieses Jahres von einem Gericht in Los Angeles abgelehnt, weil er dem Verfahren ferngeblieben war. Auch Polanskis damaliges Opfer hatte für die Einstellung des Verfahrens plädiert.
Der französische Außenminister Bernard Kouchner äußerte Unverständnis über das Vorgehen von Polizei und Justiz. Gemeinsam mit seinem polnischen Amtskollegen Radoslaw Sikorski forderte er in einem Schreiben an US-Außenministerin Hillary Clinton die Freilassung Polanskis. Der Regisseur besitzt die französische und die polnische Staatsangehörigkeit.
Prominente Vertreter der Filmbranche verurteilten in einer Petition die Festnahme des Regisseurs wegen eines mehr als 30 Jahre zurückliegenden sexuellen Missbrauchs und setzten sich für seine Freilassung ein. "Es scheint unakzeptabel, dass eine internationale Kulturveranstaltung, die einen der größten zeitgenössischen Filmemacher ehrt, von der Polizei benutzt wird, um diesen festzunehmen", hieß es in dem Aufruf, den unter anderen Wong Kar Wai, Monica Bellucci und Fanny Ardant unterzeichneten.
Zu Polanskis bekanntesten Werken zählen die Filme "Rosemary's Baby", "Chinatown" und die Satire "Tanz der Vampire". Für sein autobiografisches Werk "Der Pianist", das die Überlebensgeschichte eines polnischen Klavierspielers unter den Nazis erzählt, wurde er 2003 mit dem Oscar ausgezeichnet.
28. September 2009 - 15.31 Uhr
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