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Anwälte von Ex-WestLB-Chef fordern Verfahrenseinstellung

AFP VOM 9.1.2008 | Nachrichten - Vor Gericht | 1751 Aufrufe
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Sengera, WestLB

"Irreparable Fehler" in der Anklage gerügt

Rund acht Jahre nach einer spektakulären Fehlinvestition der WestLB hat vor dem Düsseldorfer Landgericht der Prozess gegen den früheren Landesbank-Chef Jürgen Sengera begonnen. Die Verteidiger beantragten beim Prozessauftakt die Einstellung des Verfahrens. Sie begründeten dies mit "schweren irreparablen Fehlern" in Anklage und Eröffnungsbeschluss der Strafkammer. So hätten Übersetzungen wichtiger englischsprachiger Dokumente in der Anklageschrift gefehlt. Auch habe die Anklage nicht ausreichend dargelegt, warum sich Sengera wegen eines geplatzten WestLB-Darlehens an den Fernsehverleiher Boxclever 1999 der schweren Untreue schuldig gemacht habe.

Über den Antrag auf Verfahrenseinstellung wird das Gericht nun möglicherweise bei der Fortsetzung des Prozesses am Donnerstag entscheiden. Zuvor soll die Staatsanwaltschaft am zweiten Prozesstag ihre Stellungnahme zur Forderung der Verteidigung abgeben. Der von Staatsanwalt Henning Wilke verlesenen Anklage zufolge soll Sengera im Dezember 1999 als damaliges WestLB-Vorstandsmitglied für Spezialfinanzierung der britischen Boxclever-Gruppe einen Kredit über 1,35 Milliarden Euro bewilligt haben - ohne ausreichende Risikoprüfung, wie der Anklagevertreter betonte. Wegen der Boxclever-Insolvenz entstand der WestLB demnach ein Schaden von mindestens 427 Millionen Euro.

Das Boxclever-Geschäft hatte zu den Milliardenverlusten beigetragen, die die WestLB in den vergangenen Jahren in eine schwere Schieflage brachten. Durch das von der damaligen Star-Bankerin Robin Saunders eingefädelte Darlehen sollte die Fusion zweier britischer Vermieter von Fernseh- und Haushaltsgeräten finanziert werden. Laut Anklage soll Sengera bei der Kreditvergabe eine von der WestLB-Abteilung "Zentrales Kreditmanagement" geforderte Risikoeingrenzung nicht umgesetzt haben. Als Motiv Sengeras nannte der Staatsanwalt ein "übersteigertes berufliches Erfolgsstreben" des Angeklagten.

Sengera selbst wurde zum Prozessauftakt vom Gericht nicht zu den Vorwürfen befragt. Der 64-Jährige kündigte jedoch über seine Anwälte eine "persönliche Erklärung" für die kommenden Verhandlungstage an. Verteidiger Christian Richter rügte am ersten Prozesstag die Anklageschrift und den Eröffnungsbeschluss des Gerichts als "unwirksam". Wesentliche englischsprachige Urkunden lägen nicht in deutscher Übersetzung vor. Dies aber sei ein Verstoß gegen das Gerichtsverfassungsgesetz, wonach Deutsch als Gerichtssprache zwingend vorgeschrieben ist. Für das Verfahren gegen Sengera, der die WestLB von 2001 bis Mitte 2003 führte, hat die Vorsitzende Richterin weitere 38 Verhandlungstage anberaumt.

9. Januar 2008 - 14.02 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008


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