Im norditalienischen Turin haben am Dienstag Anti-Asbest-Aktivisten für ein weltweites Verbot der Brandschutzfaser demonstriert. Das zweitägige Treffen habe zum Ziel "die Straflosigkeit" derer zu beenden, die eine "Weltkatastrophe" durch Asbest herbeigeführt hätten, teilte eine Sprecherin der Vereinigung Ban Asbestos mit.
Wegen seiner hohen Hitzebeständigkeit und guten Isolationseigenschaften wurde vor allem Asbestzement lange in der Bauindustrie eingesetzt. Seit große Gesundheitsgefahren nachgewiesen wurden, ist Asbest unter anderem EU-weit und in der Schweiz verboten. In Indien beispielsweise wird die Faser jedoch noch massenhaft eingesetzt. "Wir importieren eine Menge aus Russland und Kanada, und es wird für den Hausbau armer Menschen benutzt", sagte ein indischer Aktivist.
In Turin läuft derzeit ein Prozess um mehr als 2000 Todesfälle im Zusammenhang mit Asbest. Bei den Angeklagten handelt es sich um den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den ehemaligen Eternit-Manager Jean-Louis Marie Ghislain de Cartier de Marchienne. Schmidheiny war der frühere Besitzer der Schweizer Firma Eternit und ein Großaktionär der Eternit-Gruppe in Italien. Sie werden beschuldigt, eine Umweltkatastrophe herbeigeführt und die Sicherheit am Arbeitsplatz vernachlässigt zu haben. In italienischen Eternit-Fabriken und in den umliegenden Ortschaften starben oder erkrankten tausende Arbeiter und Einwohner.
Den beiden drohen Haftstrafen und hunderte Millionen Euro Kompensationszahlungen. 6000 Kläger haben sich dem Verfahren mittlerweile angeschlossen.
16. März 2010 - 16.22 Uhr
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