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Annäherung an Serbien trotz Gräueltat von Srebrenica
Seite 1 - AFP vom 29.04.2008

Annäherung an Serbien trotz "Gräueltat" von Srebrenica

EU stellt Belgrad bei Stabilisierungsabkommen Bedingungen

Die Europäische Union hat am Dienstag den Weg für eine weitere Annäherung an Serbien geebnet. Das Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen (SAA), das die EU-Außenminister am Dienstagnachmittag mit dem serbischen Präsidenten Boris Tadic unterzeichnen wollten, setzt aber die Aufklärung von Kriegsverbrechen der 90er Jahre voraus.

In der UN-Schutzzone Srebrenica verübten bosnisch-serbische Milizen laut den Vereinten Nationen die "schlimmste Gräueltat" in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Binnen weniger Tage wurden dort im Sommer 1995 etwa 8000 Männer und Jungen getötet. Fast 13 Jahre später sind die Hauptverantwortlichen, General Ratko Mladic und Serbenführer Radovan Karadzic, noch nicht gefasst. Deshalb soll das Abkommen zwischen der EU und Serbien auf Druck der Niederlande und Belgiens erst dann umgesetzt werden, wenn die Regierung voll mit dem Haager Tribunal zusammenarbeitet. "Die Jagd nach Mladic muss weitergehen, bis er in Den Haag ist", sagte der niederländische Außenminister Maxime Verhagen.

Bereits zu Beginn des Bürgerkrieges in Bosnien belagerten bosnisch-serbische Truppen den Ort Srebrenica im Nordosten. In der Region drängten sich auf einer Fläche von 148 Quadratkilometern mehr als 40.000 Menschen, unter ihnen 20.000 Flüchtlinge. Im April 1993 erklärte die UNO die Enklave zur Schutzzone. Eine Luftbrücke zur Versorgung der Menschen wurde eingerichtet. Die damalige UN-Schutztruppe für Bosnien versuchte vergeblich, die Belagerung der Stadt aufzuheben. Doch die Einnahme Srebrenicas konnten die Blauhelme nur aufschieben.

Am 9. Juli 1995 eroberten die bosnischen Serben mehrere UN-Posten, nachdem sie einige Dutzend niederländische Blauhelmsoldaten in ihre Gewalt gebracht hatten. Am 11. Juli griff die NATO-Luftwaffe ein, konnte aber die Einnahme der Stadt nicht verhindern. Die bosnisch-serbischen Einheiten zogen die kampffähigen Männer unter den Muslimen heraus. Sie wurden mit Lastwagen abtransportiert und massenweise hingerichtet.

Die einst in Srebrenica stationierten niederländischen Blauhelmsoldaten wurden beschuldigt, die Einnahme der Enklave durch die Serben geduldet zu haben. Sie sollen den serbischen Truppen sogar beim Ausmustern der Einwohner geholfen und Beweise für Gräueltaten vernichtet haben. Das Haager Tribunal klagte 1995 Karadzic und Mladic im Zusammenhang mit dem Massaker an, das als Völkermord eingestuft wird.

29. April 2008 - 13.46 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2008




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