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Anleger verklagt Standard & Poors wegen Lehman-Pleite

AFP VOM 7.6.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 933 Aufrufe
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Anleger, Lehman Brothers

Musterverfahren in Deutschland gegen Rating-Agentur

Ein deutscher Anleger hat wegen der Pleite der US-Bank Lehman Brothers die Ratingagentur Standard & Poors verklagt. Wie die Hamburger Kanzlei KWAG-Rechtsanwälte am Montag mitteilte, handelt es sich bei der in Frankfurt am Main eingelegten Klage um die bundesweit erste. Ziel sei ein Musterverfahren, das auch tausende andere Anleger betreffe und das, wenn nötig, durch alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) betrieben werden solle.

Aufhänger der Klage ist, dass der Anleger auf eine im Verkaufsprospekt für Lehman-Anteile zitierte positive Bewertung durch Standard & Poors vertraut und sich zum Kauf von Anteilen im damaligen Wert von 30.000 Euro entschlossen habe. Kurze Zeit später war die Bank insolvent. Die Euro-Krise habe gezeigt, dass Empfehlungen der Ratingagenturen weitreichende Folgen für den Finanzmarkt hätten, erklärte KWAG-Fachanwalt Jens-Peter Gieschen. "Auch private Anleger vertrauen bei ihren Entscheidungen auf die werbewirksamen Anpreisungen, wenn Emittenten oder Produkte mit guten Ratings versehen sind."

Der Mandant habe auf das "A+"-Rating durch Standard & Poors vertraut und deshalb kein Risiko bei seiner Investition gesehen. "Methodik und Zustandekommen der Ratings sind völlig undurchsichtig. Die Agenturen haben bisher darauf gesetzt, dass sie für falsche Bewertungen nicht einstehen müssen, da ohnehin niemand einen objektiven Maßstab anlegen kann und der Gesetzgeber sich weigert, hier klare gesetzliche Vorgaben für die Haftung der Agenturen zu erlassen", erklärte Gieschen.

Mit der Klage gegen eine US-Ratingagentur vor einem deutschen Gericht werde juristisches Neuland betreten, erklärte KWAG. Die Rechtsschutzversicherung des Mandanten habe aber bereits Kostendeckung zugesichert. Auch gegen die Ratingunternehmen Moody's und Fitch seien Klagen in Vorbereitung.

Die Pleite der traditionsreichen US-Investmentbank Lehman Brothers hatte im September 2008 die weltweite Finanzkrise massiv beschleunigt. Viele Anleger auch in Deutschland verloren ihr Geld, dass sie unter anderem in Zertifikate der Bank gesteckt hatten. Oftmals war ihnen diese Anlage von ihrer Bank als besonders sicher verkauf worden.

7. Juni 2010 - 15.08 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2010


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