
Wegen der spektakulären Fehlinvestition beim britischen Fernsehverleiher Boxclever muss sich der frühere WestLB-Chef Jürgen Sengera vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat beim Landgericht gegen den 64-Jährigen Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben, wie die Behörde mitteilte. Als damaliges Vorstandsmitglied für Spezialfinanzierung soll Sengera 1999 ohne ausreichende Risikoprüfung einen Kredit an die Boxclever-Gruppe über 1,35 Milliarden Euro bewilligt haben.
Wegen deren Insolvenz sei der WestLB bis heute ein Schaden in Höhe von 427 Millionen Euro entstanden, erklärte die Staatsanwaltschaft. Das Darlehen hatte den Zusammenschluss zweier britischer Vermieter von Fernseh- und Haushaltsgeräten an Privathaushalte finanzieren sollen. Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll Sengera bei der Kreditvergabe aber eine von der Abteilung "Zentrales Kreditmanagement" geforderte Risikoeingrenzung nicht umgesetzt haben.
Das Boxclever-Geschäft trug zu Rekordverlusten der WestLB bei. Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Mitte 2003 Zweifel an fachlicher Eignung und Zuverlässigkeit der zuständigen Vorstandsmitglieder äußerte, trat der 2001 zum Vorstandschef avancierte Sengera zurück.
Das Verfahren gegen drei weitere Beschuldigte im Fall Boxclever hat die Staatsanwaltschaft nach Angaben eines Sprechers gegen Zahlungsauflagen in Höhe von insgesamt knapp 1,4 Millionen Euro eingestellt. Gegen die damals in der Londoner Niederlassung der WestLB für die Kreditvergabe Verantwortlichen war wegen der Beihilfe zur Untreue ermittelt worden.
25. Juni 2007 - 17.24 Uhr
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